BMW sichert Mainframe-Betrieb ab und baut Modernisierung weiter aus

Ende 2025 hatte die BMW Group im Rahmen öffentlicher Äußerungen erstmals Einblicke in ihre Pläne zur schrittweisen Modernisierung ihrer Mainframe-Landschaft gegeben. Inzwischen verdichten sich die Hinweise darauf, wie dieser Umbau praktisch umgesetzt werden soll. Eine aktuelle Vertragsverlängerung mit Atos sowie eine Stellenausschreibung der BMW Group zeigen, dass Betrieb, Modernisierung und KI-gestützte Transformation parallel vorangetrieben werden.

Wie Atos mitteilt, hat die BMW Group den Vertrag über den Betrieb ihrer geschäftskritischen Mainframe-Systeme vorzeitig verlängert. Das Unternehmen soll damit weiterhin zentrale IT-Kernsysteme betreiben und modernisieren sowie die Migration der Mainframe-Infrastruktur in Rechenzentren der BMW Group begleiten. Zu den unterstützten Anwendungen zählen laut Atos unter anderem Systeme für Produktionsplanung, Teilelogistik und internationale Lieferketten. Die Vertragsverlängerung deutet darauf hin, dass BMW den stabilen Betrieb seiner Mainframe-Plattform auch während der laufenden Modernisierung langfristig absichern will.

Zur Laufzeit der Vereinbarung macht Atos keine Angaben. Der vereinbarte Leistungsumfang – vom Betrieb über die Modernisierung bis hin zur Migration der Mainframe-Infrastruktur – spricht jedoch für eine langfristig angelegte Zusammenarbeit.

Stellenanzeige liefert Einblick in die Migrationsinitiative

Weitere Hinweise auf den aktuellen Stand der Modernisierung liefert eine Stellenausschreibung der BMW Group. Gesucht wird ein Werkstudent für die „Mainframe Migration Initiative“ innerhalb der Group IT. Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Entwicklung KI-gestützter Verfahren zur Testfallgenerierung für Legacy-Anwendungen sowie der Ausbau einer KI-basierten Dokumentationsplattform.

Auffällig ist auch das gesuchte Kompetenzprofil. Neben Kenntnissen klassischer Mainframe-Technologien wie COBOL, PL/I, IMS und DB2 werden Erfahrungen mit AWS, Microsoft Azure, Google Cloud Platform (GCP), Kafka, Python, Java, Docker, Git sowie CI/CD genannt. Darüber hinaus wünscht sich BMW Kenntnisse im Umgang mit Large Language Models (LLMs), Retrieval-Augmented Generation (RAG), Graphdatenbanken, PyTorch und Scikit-learn.

Die Ausschreibung zeigt zugleich, wie sich die Anforderungen im Zuge der Mainframe-Modernisierung verändern. Gesucht wird kein klassischer Mainframe- oder Cloud-Spezialist, sondern ein Profil, das beide Welten miteinander verbindet und zusätzlich Erfahrung mit modernen KI-Werkzeugen mitbringt. Fachkräfte mit dieser Kombination gelten bereits heute als rar. Für eine Werkstudentenstelle wirkt ein derart breit gefächertes Anforderungsprofil entsprechend ambitioniert – auch wenn BMW viele der genannten Kenntnisse ausdrücklich als wünschenswert beschreibt.

Modernisierung auf mehreren Ebenen

Bereits Ende 2025 hatte Frank Uslaub, Vice President Transformation Programs der BMW Group, im Rahmen eines Vortrags auf der AWS re:Invent erläutert, dass Künstliche Intelligenz insbesondere bei der Analyse bestehender Anwendungen, der Dokumentation sowie der automatisierten Testfallgenerierung unterstützen solle. Die aktuelle Stellenausschreibung greift genau diese Themen wieder auf und deutet darauf hin, dass entsprechende Vorhaben inzwischen organisatorisch verankert werden.

Zusammengenommen zeichnen die verschiedenen Veröffentlichungen das Bild einer langfristig angelegten Mainframe-Transformation. Während Atos den stabilen Betrieb der geschäftskritischen Plattform sicherstellen soll, baut die BMW Group parallel personelle und technologische Kompetenzen für die KI-gestützte Modernisierung auf. Die jüngsten Veröffentlichungen sprechen damit weiterhin für einen schrittweisen Umbau der Mainframe-Landschaft – nicht für einen kurz- oder mittelfristigen Ausstieg aus der Plattform. (td)


BMW Hochhaus in München (Quelle: BMW / Foto: Myrzik und Jarisch)