VSE nach IBM: 21CS zieht nach fünf Jahren Bilanz

Vor fünf Jahren übernahm 21CS die Weiterentwicklung von VSE von IBM. Heute zieht das Unternehmen erstmals eine größere Bilanz dieser Entscheidung. Aus dem IBM-Betriebssystem ist inzwischen VSEn geworden, das auf aktuellen IBM-Z-Systemen läuft und schrittweise um moderne Entwicklungs- und Integrationsmöglichkeiten erweitert wurde.

Den Ausgangspunkt bildete ein Source-Code-Lizenzabkommen, das 21CS am 1. Juni 2021 mit IBM abschloss. Nach Angaben des Unternehmens wurde 21CS damit zum ersten Anbieter außerhalb von IBM, der ein Betriebssystem für IBM Z eigenständig unterstützt, wartet und weiterentwickelt.

In einem aktuellen Blogbeitrag erinnert CTO Rebecca Levesque daran, dass die Übernahme damals auch mit Unsicherheit bei Kunden und Partnern verbunden gewesen sei. 21CS habe deshalb zeigen müssen, dass VSE auch außerhalb von IBM dauerhaft weiterentwickelt werde.

Zwei große Releases seit der Übernahme

Die erste von 21CS verantwortete Version erschien als VSEn 6.3. Dabei sollte insbesondere die Kompatibilität zu bestehenden IBM-z/VSE-Umgebungen erhalten bleiben. In den vergangenen fünf Jahren habe das Unternehmen insgesamt zwei größere Releases veröffentlicht.

Mit VSEn 6.4 unterstützt das Betriebssystem inzwischen auch die aktuellen IBM-z17-Systeme in den Varianten Single Frame und Rack Mount. 21CS nennt darüber hinaus schnellere System-Upgrades, ein weiterentwickeltes Lizenzmanagement, REST-APIs für Batch-Verarbeitung, Cloud-native Konnektoren und moderne kryptografische Verfahren.

Auch bei den Entwicklungswerkzeugen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben investiert. Dazu gehören eine Integration mit Visual Studio Code und ein KI-Assistent. Levesque unterstreicht in dem Zusammenhang, dass VSEn weiterhin aktiv modernisiert werde.

Für Firmen mit älteren Installationen enthält die Bilanz zugleich einen wichtigen Hinweis: z/VSE 6.2 und frühere Versionen werden laut 21CS nicht mehr unterstützt. Der Anbieter empfiehlt Anwendern dieser Releases den Umstieg auf eine aktuelle VSEn-Version.

Vom IBM-System zur Plattform eines Spezialanbieters

Die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre ist auch über VSEn hinaus interessant. Sie zeigt, wie der Lebenszyklus eines etablierten Mainframe-Betriebssystems nach dem Rückzug des ursprünglichen Herstellers weitergeführt werden kann. Im Fall von VSE übernahm ein spezialisierter Anbieter die Verantwortung und entwickelte die Plattform bis zur Unterstützung der aktuellen IBM-Z-Generation weiter.

Wie sich diese Entwicklung speziell für Finanzdienstleister einordnen lässt, hat Mainframe-Experte Uwe Graf bereits in seiner Kolumne für das Legacy IT Center betrachtet. Darin geht er unter anderem der Frage nach, welche Rolle VSEn in gewachsenen IT-Landschaften spielen kann und wie sich bestehende Anwendungen mit modernen Schnittstellen und Architekturen verbinden lassen.

21CS selbst fällt die Bilanz nach fünf Jahren erwartungsgemäß positiv aus. Levesque zufolge habe man sein damaliges Versprechen eingelöst, in die Plattform zu investieren und deren Weiterentwicklung sicherzustellen. Die inzwischen veröffentlichten Releases und die Unterstützung aktueller IBM-Z-Hardware liefern dafür einen konkreten technische Beleg. (td)