„COBOL wächst“: Podcast stößt Debatte an

Kann COBOL im Jahr 2026 tatsächlich wachsen? Genau diese Aussage von Scott Hanselman, Vice President und Member of Technical Staff bei Microsoft und GitHub, sorgt derzeit in der Entwickler-Community für Diskussionen. „COBOL wächst. Ja, wächst. Wer spannende Aufgaben sucht, sollte COBOL lernen“, schreibt Hanselman im Anschluss an eine aktuelle Folge seines Podcasts Hanselminutes, in der er mit Skyla Loomis, General Manager für IBM-Z-Software bei IBM, über die Zukunft des Mainframes, Künstliche Intelligenz und moderne Entwicklerwerkzeuge spricht.

Im Podcast macht Loomis deutlich, dass IBM den Mainframe zunehmend als Plattform für KI-gestützte Modernisierung, hybride Cloud-Architekturen und moderne Entwicklerprozesse positioniere. Besonders beim Thema COBOL sieht sie weniger die Programmiersprache selbst als Herausforderung, sondern historisch gewachsene Anwendungen, fehlende Dokumentation und komplexe Abhängigkeiten. Künstliche Intelligenz könne dabei helfen, Zusammenhänge in großen Codebasen sichtbar zu machen und Modernisierungsvorhaben gezielter umzusetzen.

Kontroverse Reaktionen aus der Entwickler-Community

Unter Hanselmans Beitrag entwickelte sich anschließend eine offene Debatte. Während einige Kommentatoren COBOL weiterhin als strategisch relevante Kerntechnologie verteidigten, äußerten andere deutliche Zweifel an einem echten Wachstum des Ökosystems.

Der IT-Experte Goran Bacvarovski schrieb etwa: „COBOL wächst nicht. Die Werkzeuge rund um COBOL holen erst jetzt auf.“ Moderne Entwicklungsumgebungen, KI-gestützte Analyse und offene Toolchains seien aus seiner Sicht keine Renaissance, sondern vor allem ein notwendiger Modernisierungsschritt, um bestehende Systeme langfristig betreiben zu können.

Auch andere Stimmen interpretierten den aktuellen KI-Boom eher als Übergangsphase. So schrieb ein Kommentator, Unternehmen bräuchten COBOL-Entwickler „nur noch so lange, bis KI-Werkzeuge die Programme auf moderne Technologie-Stacks migriert haben“. Gleichzeitig gab es aber auch Gegenpositionen. Mehrere Entwickler verwiesen darauf, dass Milliarden Zeilen produktiven COBOL-Codes in Banken, Versicherungen und Behörden weiterhin zuverlässig liefen und kurzfristig kaum verschwinden dürften.

Java auf IBM Z seit mehr als 25 Jahren

Ein weiterer interessanter Punkt aus dem Podcast: Loomis weist darauf hin, dass Java auf IBM Z inzwischen seit mehr als 25 Jahren unterstützt werde und die Plattform auf Maschinenebene gezielt für Java-Workloads optimiert werde – ein Umstand, der selbst in vielen IT-Abteilungen offenbar noch wenig bekannt sei.

Die Episode zeigt damit nicht nur, wie IBM den Mainframe im Jahr 2026 positioniert. Sie macht zugleich sichtbar, wie emotional die Diskussion über COBOL, KI und die Zukunft geschäftskritischer Legacy-Systeme inzwischengeführt wird. (td)