Universität Ulm: Gastvorlesung zur Legacy-Modernisierung

Die Modernisierung von Legacy-Systemen war in der vergangenen Woche Thema einer Gastvorlesung an der Universität Ulm. Sebastian Krach, Head of Technology bei DPS, sprach am Lehrstuhl für Software Engineering von Prof. Dr. Robert Heinrich unter dem Titel „COBOL, PL/1, Assembler & Co. – There is a Future in Legacy“ über Strategien zur Modernisierung gewachsener IT-Landschaften sowie den Einsatz von Mainframes und Künstlicher Intelligenz im Software Engineering.

Legacy ist keine Frage der Programmiersprache

Gegenstand der Vorlesung war unter anderem die Frage, was ein Legacy-System überhaupt ausmacht. Krach machte deutlich, dass der Begriff häufig verkürzt verwendet wird. Nicht jede Anwendung, die in COBOL, PL/I oder Assembler entwickelt wurde, sei automatisch ein Legacy-System. Umgekehrt könnten auch vergleichsweise junge Anwendungen zu Legacy werden.

Entscheidend sei vielmehr, ob sich ein System noch an fachliche und technische Anforderungen anpassen lasse. Legacy entstehe dort, wo Änderungen zunehmend aufwendig und risikobehaftet werden, Systeme mit der technologischen Entwicklung nicht Schritt halten oder wirtschaftlich nur noch schwer weiterentwickelt werden können. Das Alter einer Anwendung oder die verwendete Programmiersprache seien dagegen kein verlässliches Kriterium.

Diese Einordnung greift Gedanken auf, die Robert Heinrich bereits im Interview mit dem Legacy IT Center formuliert hatte. Darin beschreibt er Legacy nicht als Folge des Alters einer Technologie, sondern als Ergebnis technischer und architektonischer Entscheidungen. Neue Technologien könnten deshalb selbst schnell zur „Legacy von morgen“ werden, wenn sie ohne Blick auf Wartbarkeit und langfristige Weiterentwicklung eingeführt würden.

Moderne Mainframes im Kontext heutiger Softwarearchitekturen

Ausgehend von diesem Verständnis stellte Krach verschiedene Strategien für den Umgang mit gewachsenen Anwendungen vor. Neben der Modernisierung bestehender Systeme ging es dabei um Migrationsansätze, Hybrid-Cloud-Architekturen und den Einsatz KI-gestützter Entwicklungswerkzeuge.

Anhand eines Modernisierungsprojekts aus dem Finanzsektor zeigte er zudem, wie sich etablierte Mainframe-Anwendungen schrittweise in moderne Softwarearchitekturen integrieren lassen. Moderne Mainframes seien dabei nicht isoliert zu betrachten, sondern könnten über APIs, Container-Technologien und DevOps-Prozesse Bestandteil aktueller IT-Landschaften sein.

Die Gastvorlesung ergänzte damit die wissenschaftliche Perspektive des Lehrstuhls um Erfahrungen aus der Praxis. Gleichzeitig unterstrich sie, dass Legacy-Modernisierung weit über den Austausch einzelner Technologien hinausgeht und eine langfristige Weiterentwicklung bestehender Systeme in den Mittelpunkt stellt. (td)