Legacy im Web: Studie zeigt systemische Sicherheitsrisiken

Eine Analyse der Schweizer Digitalinfrastruktur zeigt laut einem Bericht von Swiss IT Magazine, dass Sicherheitsrisiken im Web-Ökosystem vielfach auf gewachsene Strukturen und veraltete Komponenten zurückzuführen sind. Grundlage ist die „Swiss Digital Infrastructure Study 2026“ des Cybersecurity-Anbieters Risikomonitor, für die über 3,3 Millionen .ch-Domains untersucht worden seien.

Demnach sind rund 16,6 Prozent der Websites kritisch exponiert und wiesen gravierende Schwachstellen mit einem CVSS-Score von 9.0 oder höher auf. Der CVSS („Common Vulnerability Scoring System“) ist ein etablierter Industriestandard zur Bewertung der Schwere von Sicherheitslücken, wobei Werte ab 9.0 als kritisch gelten. Darüber hinaus sind laut Analyse auch Schwachstellen mit mittlerem und hohem Risiko in erheblichem Umfang verbreitet, jeweils bei mehreren hunderttausend Domains. Besonders auffällig sei, dass sowohl sehr alte als auch aktuelle Schwachstellen vergleichbare Verbreitungsgrade aufweisen. Risikomonitor sieht darin Hinweise auf eine „Abhängigkeit von gemeinsamen Legacy-Server-Branches“. Dies verdeutliche strukturelle Defizite im Patch-Management sowie die weite Verbreitung standardisierter, historisch gewachsener Technologie-Stacks.

Ein weiterer zentraler Befund betreffe die ausgeprägte Konzentration im Hosting-Markt. Zwar werde ein Großteil der Domains bei nationalen Anbietern betrieben, jedoch vereinten wenige große Provider mehr als die Hälfte des Marktes. Diese Struktur erhöht laut Bericht das Risiko, dass einzelne Schwachstellen potenziell eine große Zahl von Websites gleichzeitig betreffen könnten.

Veraltete CMS, fehlende Updates und Standard-Stacks als Risiko

Auch auf Anwendungsebene zeige sich eine starke technologische Abhängigkeit. Ein erheblicher Teil der Websites basiere auf WordPress, wobei ein signifikanter Anteil der Installationen nicht regelmäßig aktualisiert werde. Ergänzend dominierten etablierte Technologien wie Apache sowie weit verbreitete Bibliotheken wie jQuery den Stack. In Kombination mit unzureichender Wartung entstehe daraus eine deutlich vergrößerte Angriffsfläche. Die beschriebenen Muster dürften dabei nicht auf die Schweiz beschränkt sein, sondern lassen sich aufgrund vergleichbarer Technologie-Stacks und Plattformstrukturen grundsätzlich auch auf andere Länder übertragen.

Darüber hinaus verweist der Bericht auf Abhängigkeiten von internationalen Infrastruktur-Anbietern. Ein relevanter Anteil der Schweizer Websites werde im Ausland betrieben, insbesondere bei großen Cloud-Anbietern. Dies könne im Kontext regulatorischer Anforderungen zusätzliche Risiken mit sich bringen. (td)