Hot Chips 2026: Arm und Mainframe nähern sich von zwei Seiten

Auf der Chipkonferenz Hot Chips 2026 haben IBM und Fujitsu neue Prozessoren vorgestellt, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch eine interessante Parallele: Während IBM die Arm-Architektur in seine künftige Mainframe-Plattform integriert, stattet Fujitsu seinen neuen Arm-Serverprozessor Monaka ausdrücklich mit Zuverlässigkeitsfunktionen auf Mainframe-Niveau aus.

Über IBMs neuen Prozessor für künftige Generationen von IBM Z und LinuxONE haben wir bereits berichtet. Die Besonderheit: Die einzelnen Prozessorkerne sollen sowohl IBMs z/Architecture als auch AArch64 nativ ausführen können. Damit will IBM das breite Arm-Software-Ökosystem für seine Mainframe-Plattform öffnen. Auf der Hot Chips zeigte IBM weitere technische Details des Dual-ISA-Ansatzes. Auch ServeTheHome hat die dort vorgestellte Architektur und die zugehörigen Präsentationsfolien ausführlich dokumentiert.

Weniger Mainframe-Aufmerksamkeit erhielt auf derselben Konferenz die Präsentation von Fujitsu. Das Unternehmen stellte dort seinen für 2027 geplanten Arm-Serverprozessor Monaka vor. Der Chip soll 144 Kerne umfassen und ist insbesondere für Rechenzentren sowie KI- und Cloud-Workloads konzipiert. Tom’s Hardware hat die Präsentation einschließlich der Folien ausführlich dokumentiert.

Für das Legacy-IT-Umfeld ist dabei vor allem ein Detail interessant: Fujitsu bezeichnet die Zuverlässigkeitsfunktionen des Prozessorkerns in seiner Hot-Chips-Präsentation ausdrücklich als „Mainframe-level RAS“. Genannt werden unter anderem ECC beziehungsweise redundante Absicherung der L1- und L2-Caches, Paritätsprüfungen in Ausführungseinheiten und Registern sowie ein Hardwaremechanismus, der Instruktionen nach transienten Fehlern erneut ausführen kann.


Fujitsu gibt auf der Hot Chips 2026 einen Überblick über den neuen Arm-Serverprozessor Monaka. (Quelle: Fujitsu/Hot Chips 2026, via Tom’s Hardware)

„Tom’s Hardware“ greift diese Mainframe-Verbindung in seiner Analyse ebenfalls auf. Chester Lam von Chips and Cheese ordnet den Hardware Instruction Retry zudem in Fujitsus Prozessorgeschichte ein: Eine entsprechende Technik sei bereits bei früheren SPARC-Prozessoren des Unternehmens dokumentiert worden.

Zwei unterschiedliche Wege

Damit zeigte die seit 1989 jährlich stattfindende internationale Fachkonferenz für Prozessor- und Chiparchitekturen zwei Entwicklungen, die sich aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander zubewegen: IBM bringt Arm auf eine klassische Mainframe-Plattform. Fujitsu überträgt Mainframe-typische RAS-Eigenschaften auf einen modernen Arm-Serverprozessor.

Technisch sind beide Ansätze nicht gleichzusetzen. Sie zeigen aber, dass die bislang weitgehend getrennten Mainframe- und Arm-Welten durchlässiger werden. Arm wird zunehmend auch für Rechenzentrumsanwendungen positioniert, bei denen Zuverlässigkeit und Fehlertoleranz eine zentrale Rolle spielen – Eigenschaften, die traditionell zu den Stärken von Mainframe-Systemen gehören.

Bei Fujitsu erhält diese Entwicklung zusätzlichen Kontext. Das Unternehmen hat angekündigt, sein klassisches Mainframe-Geschäft in Japan bis 2035 auslaufen zu lassen und seine Computing-Strategie neu auszurichten. Monaka gehört zu dieser neuen Prozessorgeneration. Wichtig für den deutschen Markt: Der angekündigte Mainframe-Ausstieg bezieht sich auf das japanische Geschäft und nicht auf das insbesondere in Deutschland weiterhin relevante BS2000-Umfeld.

So bleibt von Hot Chips 2026 aus Legacy-IT-Sicht eine interessante Momentaufnahme: Während sich Fujitsu langfristig von einem Teil seines klassischen Mainframe-Geschäfts verabschiedet, leben bestimmte Prinzipien dieser Systeme in einer neuen Arm-Generation weiter. IBM wiederum geht den umgekehrten Weg und holt das Arm-Ökosystem direkt auf seine Mainframe-Plattform. (td)