Der japanische Technologiekonzern Fujitsu will sein Mainframe-Geschäft spätestens 2035 beenden. Das berichtet das britische IT-Fachmedium The Register unter Berufung auf Aussagen von CEO Takahito Tokita im Rahmen eines neuen strategischen Management-Ausblicks bis zum Jahr 2035. In dem Jahr begeht Fujitsu zugleich sein 100-jähriges Firmenjubiläum.
Ganz neu ist der Fahrplan nicht. Bereits 2022 hatte Fujitsu angekündigt, den Verkauf neuer Mainframe-Systeme bis 2030 auslaufen zu lassen und bestehende Plattformen noch bis 2035 zu unterstützen. Mit der aktuellen Strategie verknüpft der Konzern diesen bereits bekannten Ausstieg nun deutlich sichtbarer mit seiner technologischen Neuausrichtung.
KI-Supercomputer und Quantenrechner als neue Hardware-Basis
Tokita erläuterte, dass Fujitsus Hardwaregeschäft bis 2035 vor allem von sogenannten „AI Supercomputers“ sowie Quantencomputern getragen werden solle. Dafür entwickelt Fujitsu unter anderem gemeinsam mit Broadcom die Arm-basierte Prozessorarchitektur „Monaka“ und arbeitet im Bereich KI-Inferenz mit Scaleway zusammen.
Die aktuelle Konzernpräsentation zeigt darüber hinaus, dass Fujitsu bis 2035 nicht nur klassische Hochleistungsrechner weiterentwickeln, sondern parallel Quantencomputer mit deutlich höheren Qubit-Zahlen sowie photonikbasierte Systeme etablieren will. Mainframes tauchen in dieser Roadmap nicht mehr als Zukunftsplattform auf.

Fujitsus Technologie-Historie und -Roadmap bis 2035 – vom klassischen Computing über KI bis zu Quanten- und Photonik-Systemen. (Quelle: Fujitsu, Präsentation „10-year Management Vision through 2035“, 28. April 2026)
Fujitsu will selbst zum KI-Anwendungsfall werden
Parallel will Fujitsu KI nicht nur als Produkt vermarkten, sondern konzernweit in eigene Entscheidungs- und Managementprozesse integrieren. Tokita sprach von einer global standardisierten Datenplattform, auf deren Basis man bereits ab dem laufenden Geschäftsjahr stärker KI-gestützt arbeiten wolle.
Auch das Geschäftsmodell soll sich verändern: Statt klassischer Systemintegration und stundengenauer Projektabrechnung wolle Fujitsu stärker auf wert- und ergebnisbasierte Services setzen.
„Lehrstück strategischer Geduld“
Eine Einordnung kommt von den finnischen Quantum-Computing-Beratern QubitValue. Dort wird Fujitsus Roadmap als „Lehrstück strategischer Geduld“ beschrieben. Besonders hervorgehoben wird, dass Fujitsu Quantencomputing nicht mehr primär als langfristiges Forschungsthema positioniere, sondern gemeinsam mit KI als gleichwertige technologische Grundlage einer künftigen Hybrid-Architektur.
Hinzu kommt ein weiterer strategischer Aspekt: Laut Fujitsu laufen bereits Gespräche mit Regierungsstellen in Japan, Großbritannien und Australien über den Einsatz neuer Technologien im Verteidigungsumfeld.
Der Umbau erfolgt in einer Phase gemischter Geschäftszahlen: Fujitsus Jahresumsatz sank zuletzt leicht um 1,3 Prozent auf 22,3 Milliarden US-Dollar, während der Gewinn gleichzeitig um 31 Prozent zulegte. (td)
Fujitsu und seine Mainframes
Fujitsu wurde 1935 in Tokyo gegründet und beschäftigt heute rund 99.000 Mitarbeiter weltweit. Der Unternehmensname entstand 1967 aus „Fu“ (Furukawa), „ji“ (Siemens) und „tsu“ (Tsushinki) – ein Verweis auf die historischen Wurzeln des Konzerns. Heute zählt Fujitsu neben IBM zu den traditionsreichen Mainframe-Anbietern. Im Heimatmarkt Japan betreibt Fujitsu mit der GS21-Serie eigene Host-Systeme für geschäftskritische Anwendungen in Banken, Industrie und öffentlicher Verwaltung.
In Europa spielt vor allem BS2000 eine zentrale Rolle. Das ursprünglich von Siemens entwickelte Mainframe-Betriebssystem läuft heute auf Fujitsus SE-Servern wie SE710 (/390) und SE310 (x86) und wird weiterhin in Banken, Versicherungen und Behörden eingesetzt. Wichtig: Der nun kommunizierte Ausstieg bis 2035 bezieht sich nach bisherigen Fujitsu-Angaben nicht auf das BS2000-Umfeld.





