Vier Monate nach der Ankündigung einer strategischen Zusammenarbeit mit Arm zeigt IBM, wohin die Reise gehen soll. Auf der Hot-Chips-Konferenz hat der Konzern einen Prozessor für künftige IBM-Z- und LinuxONE-Systeme vorgestellt, dessen Kerne sowohl die IBM-Z-Architektur als auch Arm AArch64 nativ unterstützen sollen. IBM selbst bezeichnet die Entwicklung als ersten Prozessor-Meilenstein der im April vereinbarten Kooperation.
Die technische Besonderheit: IBM ergänzt seine Systeme nicht einfach um separate Arm-Kerne. Jeder der elf mit mehr als 5,7 GHz arbeitenden Prozessorkerne soll beide Befehlssatzarchitekturen unterstützen. Eine Emulation von Arm-Code sei dafür nicht erforderlich. Der in 2-Nanometer-Technologie geplante Prozessor soll Arm-native Linux-Umgebungen parallel zu z/OS und Linux on IBM Z ermöglichen.
Damit wird deutlich konkreter, was die im Frühjahr angekündigte Zusammenarbeit mit Arm für die Mainframe-Plattform bedeuten könnte. IBM verweist auf das Arm-Ökosystem mit weltweit mehr als 22 Millionen Entwicklern und ein wachsendes Angebot an Cloud-nativer, KI- und Infrastruktursoftware. Dieses Software-Ökosystem soll künftig auf IBM Z und LinuxONE zugänglich werden und dabei von Eigenschaften der Plattform wie hoher Verfügbarkeit, Verschlüsselung und Hardware-Unterstützung für KI profitieren.
Mehr Software für den Mainframe
Heise sieht darin einen Ansatz, ein grundsätzliches Problem der Mainframe-Plattform anzugehen: Statt zahlreiche Anwendungen eigens für die Z-Architektur verfügbar machen zu müssen, öffne IBM die Prozessorarchitektur für Arm. Nach Angaben des Magazins sollen Linux für s390x und ARM64 parallel betrieben und die jeweiligen Workloads über KVM verteilt werden können. z/OS könne weiterhin in einer eigenen Partition auf demselben Prozessor laufen.
The Register stellt stärker die strategische Dimension heraus. Das britische IT-Medium wertet die Entwicklung auch als Reaktion darauf, dass sich Softwareanbieter zunehmend auf andere Architekturen konzentrierten. Der von The Register zitierte TechInsights-Analyst George Cozma sieht IBM Z zwar weiterhin als strategisch wichtige Plattform für geschäftskritische Anwendungen, zugleich liege die Architektur aber außerhalb der heute dominierenden Softwareplattformen für Cloud und KI. Mit der Arm-Unterstützung versuche IBM, diese historische Abgrenzung vom breiteren Softwaremarkt aufzubrechen.
Für Betreiber großer Mainframe-Landschaften – darunter zahlreiche Banken und Versicherer – könnte damit vor allem die mögliche Koexistenz interessant werden: Bestehende z/OS-Anwendungen sollen weiterlaufen können, während Arm-basierte Linux-Software auf derselben Prozessorplattform ausgeführt wird. Welche konkreten Einsatz- und Modernisierungsszenarien IBM daraus entwickelt, bleibt allerdings abzuwarten.
Elf Kerne und integrierte Beschleuniger
Hardwareluxx richtet den Blick stärker auf die technischen Details. Der neue Prozessor soll elf statt bislang acht Kerne besitzen und mit mehr als 5,7 GHz arbeiten. Hinzu kommen unter anderem eine integrierte DPU für I/O-Aufgaben sowie Beschleuniger für KI, Kryptografie und Kompression. Auch diese Funktionen sollen Arm-Workloads zur Verfügung stehen. Die für IBM Z charakteristischen Mechanismen für Fehlertoleranz und hohe Verfügbarkeit sollen ebenfalls erhalten bleiben.

CAD-Darstellung des von IBM angekündigten Dual-Architecture-Prozessors. Jeder der elf Prozessorkerne soll Arm- und IBM-Z-Instruktionen nativ ausführen können. (Bild: IBM)
Einen Namen für den Prozessor oder die nächste Mainframe-Generation nennt IBM bislang nicht. Auch einen konkreten Marktstart nennt die Pressemitteilung nicht. Spekulationen über einen Einsatz in einer möglichen „z18“-Generation gehen daher über die derzeitige offizielle Ankündigung hinaus.
Fest steht dagegen der direkte Zusammenhang mit der im April vorgestellten IBM-Arm-Kooperation. Damals blieb noch offen, wie Arm-Technologie konkret Eingang in IBM Z finden könnte. Mit dem auf der Hot Chips vorgestellten Dual-Architecture-Prozessor hat IBM darauf nun eine erste technische Antwort gegeben. (td)





