Bankenaufseher sehen Schwächen bei Datenkontrollen in Legacy-Systemen

Die britische Bankenaufsicht Prudential Regulation Authority (PRA) sieht bei einigen Finanzinstituten Schwächen in der Kontrolle ihrer Daten. Insbesondere bei Legacy-Systemen würden Fehler teilweise erst spät im Verarbeitungsprozess erkannt und manuell korrigiert. Ähnliche Probleme haben auch die Europäische Zentralbank (EZB) und der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht festgestellt.

Die Erkenntnisse der PRA stammen aus einem Bericht zur Bilanzierung erwarteter Kreditverluste nach IFRS 9 vom 30. September 2026. Grundlage sind unter anderem Wirtschaftsprüferberichte zu großen britischen Banken und Bausparkassen. Die Aufsicht untersuchte dabei auch die Governance und Kontrolle der Daten, die zur Berechnung erwarteter Kreditverluste (Expected Credit Losses, ECL) verwendet werden.

Fehlerkorrekturen statt Kontrolle an der Datenquelle

Nach Feststellungen der Aufseher setzen einige Institute bei der Datenkontrolle auf manuelle Abstimmungen, Trendanalysen und nachgelagerte Prüfungen. Teilweise seien wiederkehrende Korrekturen erforderlich. Diese Verfahren könnten zwar die Verlässlichkeit der ausgewiesenen Kreditverluste unterstützen, böten jedoch weniger Sicherheit über die Qualität der ursprünglichen Daten.

Dadurch würden Fehlerursachen möglicherweise erst spät erkannt. Besonders ausgeprägt sei dieses Problem bei Legacy-Systemen, nicht zum Kerngeschäft gehörenden Portfolios und stark manuellen Prozessen. Die PRA empfiehlt deshalb, Daten bereits an ihrer Quelle sowie bei wesentlichen Übertragungs- und Verarbeitungsschritten automatisiert zu kontrollieren.

EZB berichtet über ähnliche Schwachstellen

Bereits im Februar 2025 hatte die Europäische Zentralbank auf vergleichbare Probleme hingewiesen. Bei Vor-Ort-Prüfungen seien unter anderem unflexible Legacy-Systeme, unzureichend dokumentierte Datenflüsse und wiederkehrende manuelle Korrekturen festgestellt worden. Datenfehler würden nicht immer an ihrer Quelle behoben, sodass nachgelagerte Anpassungen erforderlich blieben.

Auch der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht sieht die durchgängige Nachvollziehbarkeit von Daten weiterhin als Herausforderung. In einem Fortschrittsbericht zur Umsetzung der BCBS-239-Grundsätze nennt er Legacy-Systeme und verteilte Datenbestände als Hindernisse für die vollständige Dokumentation von Datenherkunft und -verarbeitung. Mehr zur Bedeutung der BCBS 239 lesen Sie hier.

Abhängigkeit von Spezialwissen und veralteten Modellen

Die PRA sieht weitere Schwachstellen bei der Verteilung von Verantwortlichkeiten über unterschiedliche Systeme, Teams und Standorte. Unklare Zuständigkeiten und Übergaben könnten zu Kontrolllücken und einer stärkeren Abhängigkeit vom Spezialwissen einzelner Beschäftigter führen. Auch die Dokumentation der Datenherkunft (Data Lineage) sei insbesondere bei älteren Kreditrisikomodellen teilweise unvollständig.

Bei der Modernisierung dieser Modelle beobachtet die Aufsicht Fortschritte. Einige Banken würden ältere Verfahren ersetzen, um strukturelle Schwächen zu beheben, statt dauerhaft auf nachträgliche Anpassungen der Berechnungsergebnisse zurückzugreifen.

Die PRA betont zugleich, dass die Wirtschaftsprüfer insgesamt funktionierende Governance- und Kontrollmechanismen festgestellt hätten. Hinweise auf ein flächendeckendes Risiko wesentlicher Fehler in der Kreditverlustbilanzierung hätten sich nicht ergeben. Bei der nächsten Überprüfung 2027 sollen auch die Fortschritte bei den identifizierten Schwachstellen bewertet werden. (td)

Was ist die Prudential Regulation Authority (PRA)?

Die PRA ist die britische Banken- und Versicherungsaufsicht und Teil der Bank of England. Sie wurde 2013 im Zuge der Reformen nach der Finanzkrise gegründet und beaufsichtigt derzeit 1.292 Finanzinstitute. Ihr Schwerpunkt liegt auf deren finanzieller Solidität und Widerstandsfähigkeit. Die Aufsicht berücksichtigt dabei auch die möglichen Folgen eines Institutsausfalls für die Gesamtwirtschaft.