Vier Kostentreiber bei Cloud-Legacy-Projekten

In einem Gastbeitrag für heise online beschreibt Thomas Zühlke, Cloud-Architekt bei adesso SE, typische Unsicherheiten bei der Aufwandsschätzung von Legacy-Modernisierungen in Richtung Cloud. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass belastbare Budgetzahlen oft sehr früh benötigt würden – zu einem Zeitpunkt, an dem Architektur, Zielbild und Migrationspfad noch nicht im Detail feststünden.

Zühlke argumentiert, dass frühe Schätzungen dennoch möglich seien, wenn sie bewusst als grobe Annäherung verstanden würden. Als erste Orientierung nennt er eine Faustformel: Eine grundlegende Cloud-Readiness schlage häufig mit etwa 10 bis 30 Prozent der ursprünglichen Entwicklungsaufwände zu Buche. Um diese Spanne einzugrenzen, empfiehlt er, nicht die gesamte Historie eines Systems heranzuziehen, sondern nur den Anteil aktiver Weiterentwicklung im Lebenszyklus zu berücksichtigen. Reine Wartungsphasen seien für die Schätzung wenig aussagekräftig.

Für eine präzisere Näherung schlägt der Autor vor, zentrale optionale Kostentreiber gesondert zu betrachten. Diese „apokalyptischen Reiter“ seien vor allem tiefgreifende Änderungen an Architektur und Datenhaltung, die Einführung eines Mandantenkonzepts sowie die Modernisierung von Authentifizierungs- und Autorisierungsmechanismen. Je nach Ausgangslage könnten diese Faktoren den Modernisierungsaufwand deutlich erhöhen, ließen sich aber jeweils als klar abgegrenzte Bausteine bewerten.

Als Fazit hält Zühlke fest, dass eine strukturierte Grobschätzung frühe Entscheidungsprozesse unterstützen könne, ein detailliertes Modernisierungskonzept jedoch nicht ersetze. Ohne diese Grundlage bestehe die Gefahr, dass Cloud- und Legacy-Projekte bereits in einer sehr frühen Phase scheiterten. (td)