Bankenfusionen und -übernahmen stellen IT-Organisationen regelmäßig vor die Frage, welche Kernplattform künftig den Takt vorgibt. Insbesondere im Core Banking entscheidet sich hier, ob Integration, Skalierung und Kostensynergien tatsächlich realisiert werden können – oder ob komplexe Parallelwelten entstehen.
Anthony Davis, Group Manager für das Large Z ISV Acceleration Team bei IBM in Dallas, argumentiert in einem Beitrag für FinXTech, dass gerade im Banken-M&A etablierte Mainframe-Systeme ihre strukturellen Stärken ausspielen. Großrechner-basierte Kernbanksysteme seien aufgrund ihrer Stabilität, Performance und Skalierbarkeit besonders geeignet, hohe Transaktionsvolumina zusammenzuführen und konsolidierte Geschäftsmodelle abzubilden.
Nach Darstellung des Autors verfügen diese Plattformen über ausgereifte Prozesslogiken und tief integrierte Funktionen, die über Jahre hinweg optimiert worden seien. Bei der Integration eines übernommenen Instituts könne es daher strategisch sinnvoll sein, eine bewährte Mainframe-Plattform als Zielarchitektur festzulegen, anstatt mehrere moderne, aber heterogene Architekturen parallel weiterzuführen. Dadurch lasse sich die Komplexität eher reduzieren als erhöhen.
Auch aus Risikoperspektive sieht Davis Vorteile. Die Migration auf eine bestehende, robuste Kernplattform erscheine kalkulierbarer als die Konsolidierung unterschiedlicher Cloud- oder Open-System-Landschaften. Gleichzeitig widerspricht er der These, Mainframes seien Innovationsbremsen. Über APIs und Integrationsschichten ließen sich gewachsene Kernsysteme in digitale Ökosysteme einbinden.
Der Beitrag zeichnet damit ein klares Bild: Mainframe-basierte Core-Banking-Plattformen könnten im Übernahmefall als strategischer Anker fungieren. Für IT-Entscheider bleibt jedoch die Frage, unter welchen Rahmenbedingungen diese Einschätzung tragfähig ist – und wie sich Integrationsaufwand, regulatorische Anforderungen und Transformationsziele im konkreten M&A-Szenario austarieren lassen. (td)





