Dino Legacy Lessons von Uwe Graf

IBM zSymposium 2026: Zwischen Anspruch, Realität und konsequenter Umsetzung in der modernen IT

Das IBM Z Symposium 2026 in Ehningen hat sehr deutlich gezeigt, wie eng strategische Leitplanken und operative Umsetzung inzwischen miteinander verzahnt sind. Über beide Veranstaltungstage hinweg wurde erkennbar, dass sich die Zukunft der IT nicht mehr auf der Ebene von Visionen oder Zielbildern entscheidet. Der entscheidende Faktor ist vielmehr die Fähigkeit von Organisationen, diese Strategien konsequent, strukturiert und nachhaltig in die Praxis zu überführen.

Der erste Veranstaltungstag war stark durch eine strategische Perspektive geprägt. Themen wie digitale Souveränität, moderne Architekturansätze und der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz standen im Mittelpunkt der Diskussionen.

In vielen Beiträgen wurde deutlich, dass Künstliche Intelligenz zunehmend als zentraler Hebel für Produktivitätssteigerung und Innovation verstanden wird. Dabei ging es nicht ausschließlich um technologische Möglichkeiten, sondern vor allem um die konkrete Einbettung in bestehende Prozesse und Systemlandschaften.

Warum gewachsene IT weiterhin geschäftskritisch bleibt

Ein wiederkehrendes Thema war die Weiterentwicklung bestehender IT-Umgebungen. Es wurde klar herausgestellt, dass gewachsene Systeme weiterhin eine zentrale Rolle spielen und nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Besonders im Kontext von Plattformen wie z/OS wurde deutlich, welche Bedeutung Stabilität, Sicherheit und langfristige Verlässlichkeit für geschäftskritische Anwendungen haben. Gleichzeitig wurde aufgezeigt, dass Linux-basierte Plattformen eine entscheidende Rolle bei der Integration neuer Workloads, bei der Nutzung offener Technologien und bei der Umsetzung moderner Entwicklungsansätze spielen.

Die Verbindung dieser beiden Welten wurde als wesentlicher Erfolgsfaktor beschrieben. Klassische Mainframe-Workloads und moderne Linux-Umgebungen stehen nicht im Wettbewerb, sondern ergänzen sich. Diese Kombination ermöglicht es Unternehmen, bestehende Stärken zu bewahren und gleichzeitig neue Innovationspotenziale zu erschließen.

Regulatorik als Treiber: Compliance, Sicherheit und Datenhoheit im Fokus

Regulatorische Anforderungen wurden ebenfalls intensiv diskutiert. Sie wurden nicht als rein einschränkender Faktor betrachtet, sondern als strukturgebender Rahmen für nachhaltige IT-Strategien. Gerade in Umgebungen, in denen z/OS eingesetzt wird, zeigt sich, wie eng Themen wie Compliance, Sicherheit, Datenhoheit und Verfügbarkeit miteinander verbunden sind. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Linux-Plattformen durch ihre Offenheit und Flexibilität eine wichtige Rolle bei der Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen spielen können.

Die inhaltliche Tiefe der Sessions wurde durch zahlreiche konkrete Anwendungsbeispiele ergänzt. Diese Praxisnähe hat deutlich gemacht, dass die Integration neuer Technologien in bestehende Architekturen eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre bleibt. Besonders das Zusammenspiel von etablierten Systemen und modernen, cloud-nativen Ansätzen wurde als kritischer Erfolgsfaktor hervorgehoben.

Digitale Souveränität: Zwischen Strategie, Narrativ und konkretem Mehrwert

Im Kontext der Diskussionen rund um digitale Souveränität entstand jedoch ein differenziertes Bild. Die Relevanz des Themas ist unbestritten, insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Entwicklungen und wachsender regulatorischer Anforderungen. Gleichzeitig entstand in mehreren Beiträgen der Eindruck, dass eine klare Abgrenzung zwischen unterschiedlichen Perspektiven nicht immer gegeben war. Es fiel teilweise schwer, zwischen strategischer Einordnung, vertrieblich geprägten Argumentationen und objektiv messbarem Mehrwert zu unterscheiden.

Der Begriff der Souveränität wurde nicht durchgängig konsistent verwendet. In einigen Fällen wurde er sehr weit gefasst und eher als übergeordnetes Narrativ genutzt. In anderen Fällen wurde er konkreter auf Aspekte wie Datenhoheit, Kontrolle über Infrastruktur oder regulatorische Konformität bezogen. Diese unterschiedlichen Interpretationen erschweren eine klare Bewertung und machen es notwendig, Aussagen im jeweiligen Kontext sorgfältig einzuordnen. Für die praktische Umsetzung bedeutet das, dass Organisationen stärker differenzieren müssen. Sie müssen klar zwischen Konzepten, Marketingbotschaften und tatsächlich umsetzbaren Mehrwerten unterscheiden, insbesondere wenn es um Architekturentscheidungen und Plattformstrategien geht.

Austausch und Community: Warum persönliche Gespräche Innovation fördern

Neben den fachlichen Inhalten war der persönliche Austausch ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung. Gespräche mit anderen Teilnehmenden haben neue Perspektiven eröffnet und zusätzliche Impulse geliefert. Diese informellen Diskussionen haben in vielen Fällen dazu beigetragen, Inhalte besser einzuordnen und eigene Fragestellungen weiterzuentwickeln.
Am zweiten Veranstaltungstag verlagerte sich der Fokus deutlich in Richtung Umsetzung und konkrete Anwendung. Themen wie Interoperabilität, der praktische Einsatz von Künstlicher Intelligenz und der Umgang mit regulatorischen Rahmenbedingungen standen im Vordergrund. Es wurde klar, dass Innovation vor allem dort entsteht, wo technologische Möglichkeiten konsequent mit realen Anforderungen verknüpft werden.

Praxisnahe Diskussionen zu KI-gestützten Assistenzsystemen haben gezeigt, wie sich neue Technologien konkret in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lassen. Gleichzeitig wurde der Austausch über souveräne IT und moderne Betriebsmodelle weiter vertieft. In diesen Diskussionen wurde erneut deutlich, dass technologische Exzellenz allein nicht ausreicht. Nachhaltige Lösungen entstehen erst dann, wenn Zusammenarbeit, klare Verantwortlichkeiten und funktionierende Ökosysteme gegeben sind.

Mainframe und Open Systems: Stärken kombinieren statt Systeme ersetzen

Auch an diesem Tag wurde das Zusammenspiel von z/OS und Linux-Umgebungen konkret greifbar. Die Stärken beider Welten wurden klar herausgearbeitet. Auf der einen Seite stehen Stabilität, Sicherheit und hochskalierbare Transaktionsverarbeitung. Auf der anderen Seite stehen Flexibilität, Offenheit und die Fähigkeit, neue Technologien schnell zu integrieren. Die Kombination dieser Eigenschaften bildet die Grundlage für moderne, leistungsfähige IT-Architekturen.

Ergänzt wurde das Programm durch vertiefende Einblicke in spezialisierte Plattformen und deren Rolle innerhalb moderner IT-Landschaften. Diese Perspektiven haben verdeutlicht, dass Stabilität und Innovationsfähigkeit keine Gegensätze sind. Sie können innerhalb einer integrierten Architektur gezielt miteinander verbunden werden.

Insgesamt hat das Symposium sehr klar gezeigt, dass die aktuellen Herausforderungen der IT nur durch ein ausgewogenes Zusammenspiel mehrerer Faktoren bewältigt werden können. Eine klare strategische Ausrichtung, fundierte technologische Kompetenz und eine aktive Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg sind gleichermaßen erforderlich.

Der offene Austausch innerhalb der Community sowie die Einblicke in konkrete Lösungsansätze haben die Veranstaltung zu einer wertvollen Plattform für neue Ideen und Perspektiven gemacht. Ein besonderer Dank gilt IBM für die sehr gute Organisation und für die Schaffung eines Rahmens, der sowohl inhaltliche Tiefe als auch einen intensiven fachlichen Dialog ermöglicht hat.

 

Über den Autor: Uwe Graf ist Head of Consulting bei der EasiRun Europa GmbH und gilt auf LinkedIn als eine der profiliertesten Stimmen in Sachen Mainframe-Modernisierung. Seine Beiträge sind fachlich präzise, pointiert – und unverkennbar durch den kleinen Dino, der als Symbol für den Brückenschlag zwischen Tradition und Innovation steht. Für sein Engagement in der Mainframe-Community wurde er 2025 sowohl als IBM Champion als auch als „Influential Mainframer“ von planetmainframe.com ausgezeichnet