IBM: KI-Infrastrukturboom bremst Mainframe-Geschäft

IBM hat vergangene Woche überraschend vorläufige Zahlen für das zweite Quartal 2026 veröffentlicht und damit die Erwartungen des Kapitalmarkts verfehlt. Nach Unternehmensangaben lag der Umsatz bei 17,2 Milliarden US-Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 2,93 US-Dollar. Besonders das Infrastrukturgeschäft entwickelte sich schwächer als erwartet und verzeichnete einen Umsatzrückgang von sieben Prozent. Nach Bekanntwerden der Zahlen verlor die IBM-Aktie zeitweise rund ein Viertel ihres Wertes.

Wie The Register berichtet, veröffentlichte IBM die vorläufigen Ergebnisse bereits vor dem eigentlichen Quartalsbericht zusammen mit einem Schreiben von CEO Arvind Krishna. Darin führt der Konzern die Entwicklung vor allem auf kurzfristig veränderte Investitionsprioritäten seiner Kunden zurück.

Server, Storage und Speicher statt Mainframes

Nach Angaben von Krishna haben zahlreiche Unternehmen ihre Investitionsbudgets in den letzten Wochen des Quartals verstärkt für Server, Storage-Systeme und Arbeitsspeicher eingesetzt, um sich angesichts der hohen Nachfrage nach KI-Infrastruktur frühzeitig Kapazitäten zu sichern und erwarteten Preissteigerungen zuvorzukommen. Dadurch hätten sich Kaufentscheidungen für IBM-Z-Mainframes verschoben. IBM habe zwar mit Auswirkungen der angespannten Lieferketten gerechnet, nicht jedoch mit dem Ausmaß dieser Budgetverschiebungen.

Hinzu komme, dass mehrere größere Abschlüsse nicht wie geplant bis zum Quartalsende realisiert werden konnten. Krishna räumt in seinem Schreiben ein, IBM habe sich nicht schnell genug auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt. Zudem hätten sich nach seinen Angaben branchenweite Cybersecurity-Themen auf Kaufentscheidungen im Quartal ausgewirkt. Nähere Angaben dazu machte der Konzern nicht.

Die Entwicklung steht im Kontrast zum Jahresauftakt. Erst im ersten Quartal hatte IBM den stärksten Start einer Mainframe-Generation in seiner Unternehmensgeschichte gemeldet. Gleichzeitig legte der Umsatz im IBM-Z-Geschäft um 51 Prozent zu.

Auswirkungen auf Umsatz bei Transaktionssoftware

Die geringere Zahl an Mainframe-Abschlüssen belastete laut IBM auch den Absatz der Transaktionssoftware, die typischerweise gemeinsam mit den Systemen verkauft wird. Der gesamte Softwareumsatz des Konzerns stieg dennoch um fünf Prozent. Dazu trugen nach Angaben von IBM unter anderem Red Hat sowie die übernommenen Unternehmen HashiCorp und Confluent bei. Das Geschäft mit Distributed Infrastructure, zu dem Power-Server und Storage-Systeme gehören, wuchs um 37 Prozent.

Marktbeobachter ordnen die Entwicklung als Teil einer veränderten Investitionslandschaft ein. Die Analysten von Gartner sprechen in einer ersten Einschätzung von einem „Mainframe Cycle Reset“. IT-Ausgaben würden angesichts von Budgetdruck, Lieferengpässen und veränderten Prioritäten durch KI-Investitionen insgesamt schwerer vorhersehbar.

Kommende Quartale richtungsweisend für Mainframe-Geschäft

Barron’s sieht die kommenden Quartale als richtungsweisend für das Infrastrukturgeschäft von IBM. Nach Einschätzung des Wirtschaftsmagazins wird sich zeigen müssen, ob die von IBM beschriebenen Budgetverschiebungen zugunsten von KI-Infrastruktur nur vorübergehend waren oder sich zu einem längerfristigen Trend entwickeln. (td)