DACH-Banken: Vorstände und CIOs sehen Kernsysteme als zentrale Transformationshürde

Mehr als 80 Prozent der befragten Banken sehen veraltete Kernbankensysteme als größtes Hindernis ihrer digitalen Transformation. Das geht aus der aktuellen Roland-Berger-Studie „Digital 3.0“ hervor, über die auch das IT Finanzmagazin berichtet.

Grundlage der Erhebung waren strukturierte Interviews mit Vorständen, CIOs und weiteren Entscheidern aus Banken und Finanzinstituten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Über 90 Prozent der teilnehmenden Banken wollen ihre digitale Reife in den kommenden drei Jahren deutlich steigern.

Kritischer Fokus auf Kernbankensysteme

Bei den Kernsystemen ist der Handlungsdruck besonders hoch. Mehr als 80 Prozent der Befragten bezeichneten veraltete Kernbankensysteme als größtes Transformationshindernis. Über 90 Prozent hielten deren Austausch für entscheidend, um Innovationen zu ermöglichen. Roland Berger verweist zugleich auf die Risiken solcher Vorhaben: Die Umsetzung sei komplex, teuer und risikoreich. Viele Banken hätten daher zunächst kundennahe Frontend-Prozesse priorisiert und die Modernisierung der Core-Backends aufgeschoben.

Die bestehenden IT-Landschaften spielen auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz eine Rolle. Rund 90 Prozent der Befragten sähen KI als zentral für ihre Zukunftsstrategie. Als Hürden nennt Roland Berger unter anderem Datenqualität, regulatorische Unsicherheit und veraltete IT-Infrastrukturen, die moderne KI-Workloads nicht unterstützen könnten. Systembrüche in heterogenen IT-Landschaften erschwerten zudem eine durchgängige Automatisierung.

Der Modernisierungsdruck hat auch wirtschaftliche Gründe. 75 Prozent der Entscheider nannten Effizienz und Kostensenkung als wichtigste Digitalisierungstreiber, 58 Prozent technologische Innovationen und 50 Prozent Cybersecurity und IT-Stabilität. Hinzu kämen der Fachkräftemangel – laut Roland Berger insbesondere im Core Banking, bei IT-Stabilität und Cybersecurity – sowie hohe Wartungskosten bestehender Systeme.

Parallelen zur Versicherungsbranche

Ähnliche Herausforderungen hatte Roland Berger jüngst auch für Versicherer beschrieben. In einer weiteren Studie kam die Beratung zu dem Ergebnis, dass rund jede zweite Kernsystem-Transformation Zeit- oder Budgetziele verfehle. Je nach Ausgangslage könnten deshalb auch schrittweise oder hybride Modernisierungsansätze infrage kommen. Das Legacy IT Center hatte über die Studie und die unterschiedlichen Transformationsmodelle ausführlich berichtet.

Beide Untersuchungen zeigen damit ein ähnliches Spannungsfeld bei Banken und Versicherern. Der Modernisierungsdruck auf über Jahre gewachsene Kernsystemlandschaften nimmt zu. Gleichzeitig bleiben entsprechende Transformationsprojekte komplex, teuer und risikoreich. Für die Institute kommt es darauf an, ihre IT-Landschaften weiterzuentwickeln und dabei Stabilität und Betriebssicherheit zu gewährleisten. (td)


Die Roland-Berger-Studie untersucht zehn zentrale Handlungsfelder der digitalen Transformation von Banken und stellt dabei den jeweiligen Ist-Zustand dem Ambitionsniveau gegenüber. (Quelle/Grafik: Roland Berger)