Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo hat die Migration ihrer zentralen IT-Systeme auf die Infrastruktur von Google Cloud abgeschlossen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters sowie das Finanzportal Finextra unter Berufung auf eine gemeinsame Mitteilung von Intesa Sanpaolo, Google Cloud und TIM berichten, wurden dabei mehr als 800 Anwendungen auf die Cloud-Infrastruktur übertragen. Gleichzeitig seien ebenso viele Anwendungen in den bankeigenen Rechenzentren außer Betrieb genommen worden.
Nach Angaben von Finextra ersetzt die Bank damit ihre bisherige Mainframe-Technologie in den migrierten Bereichen. Die Migration erfolgte über die beiden Google-Cloud-Regionen in Turin und Mailand, die in Rechenzentren des italienischen Telekommunikationsunternehmens TIM betrieben werden. Laut der Unternehmensmitteilung wurden dabei große Datenmengen mit hohen Sicherheitsstandards und geringer Latenz zwischen Cloud- und bestehenden Legacy-Systemen übertragen. Während der Migrationsphasen habe die Cloud-Infrastruktur die anfallenden Workloads ohne größere Zwischenfälle verarbeitet und so die Kontinuität des Bankbetriebs sichergestellt.
Die aktuelle Ankündigung knüpft an ein bereits 2023 vorgestelltes Transformationsprogramm an. Damals hatte Intesa Sanpaolo unter dem Namen „Project Skyrocket“ den Aufbau der beiden Google-Cloud-Regionen angekündigt und erklärt, die Mainframe-basierte Kerntechnologie schrittweise durch eine Cloud-Infrastruktur ersetzen zu wollen. Parallel entstand mit Isybank eine Cloud-native Digitalbank, die Reuters zufolge später als Testfeld für die groß angelegte Migration diente. Darüber hinaus investierte die Bank in die Kernbankenplattform Vault Core des britischen Anbieters Thought Machine.
3.000 Beschäftigte für Cloud-Technologien geschult
Neben der technischen Modernisierung hebt die Unternehmensmitteilung auch den organisatorischen Wandel hervor. Mehr als 3.000 Beschäftigte seien im Rahmen des Projekts für Cloud-Technologien geschult worden. Dabei wurden nach Unternehmensangaben über 170 Google-Cloud-Zertifizierungen erworben, darunter mehr als 60 auf fortgeschrittenem Niveau.
Reuters ordnet Intesa Sanpaolo in eine kleine Gruppe europäischer Banken ein, die eine Migration ihrer Kernbankensysteme in diesem Umfang öffentlich gemacht haben. Genannt werden unter anderem Danske Bank, Lloyds Banking Group, HSBC sowie die spanischen Institute Santander und BBVA.
Bemerkenswert ist insbesondere, dass die Migration geschäftskritische und hochkomplexe Workloads umfasste. Die veröffentlichten Informationen belegen damit einen weitreichenden Modernisierungsschritt zentraler Bankanwendungen. Ob damit sämtliche Mainframe-Systeme der Bank ersetzt wurden, lässt sich aus den vorliegenden Angaben jedoch nicht ableiten. (td)





