Das US-Start-up Hypercubic hat 5,3 Millionen US-Dollar Seed-Kapital für eine KI-Plattform eingesammelt, die Teile der Mainframe-Modernisierung automatisieren soll. Wie SiliconANGLE berichtet, wurde die Finanzierungsrunde von CIV angeführt; beteiligt sind unter anderem Y Combinator, Afore Capital und Pioneer Fund. Auch Pulse 2.0 und Axios berichten über die Finanzierung des erst 2025 gegründeten Unternehmens.
Hypercubic konzentriert sich auf die Modernisierung geschäftskritischer COBOL-Anwendungen, wie sie insbesondere bei Banken, Versicherungen und anderen Großunternehmen weiterhin im Einsatz sind. Dabei soll KI nicht lediglich bestehenden Code in eine modernere Programmiersprache übersetzen. Nach Angaben von CEO Sai Gurrapu gehe es zunächst darum, große COBOL-Codebasen zu erfassen, Abhängigkeiten zu erkennen und die darin enthaltene Geschäftslogik zu rekonstruieren.
Code und Expertenwissen erfassen
Dafür hat Hypercubic seine Plattform in mehrere Bausteine gegliedert. HyperDocs soll COBOL-Anwendungen analysieren und daraus unter anderem Dokumentationen, Systeminventare und Abhängigkeitsmodelle erzeugen. HyperTwin soll zusätzlich das Erfahrungswissen von Mainframe-Spezialisten erfassen und als eine Art digitalen Zwilling verfügbar machen.
Mit Hopper will das Unternehmen KI-Agenten auch für Entwicklungs- und Betriebsaufgaben auf dem Mainframe einsetzen. HyperLoop adressiert schließlich die eigentliche Transformation: Legacy-Anwendungen sollen in moderne Architekturen überführt und anschließend darauf überprüft werden, ob das Verhalten des neuen Systems dem bisherigen entspricht.

Screenshot der HyperLoop Benutzeroberfläche auf der Unternehmenswebsite
Der Ansatz wird bereits in Kundenprojekten erprobt. SiliconANGLE zufolge arbeitet Hypercubic unter anderem mit einer der größten Banken Lateinamerikas sowie einem großen Handelsunternehmen in der Karibik zusammen. Namen der Unternehmen werden nicht genannt.
Große Versprechen müssen sich noch beweisen
Hypercubic vertritt die These, dass moderne KI-Modelle Teile der bislang stark personal- und beratungsintensiven Mainframe-Modernisierung in wiederholbare Softwareprozesse überführen könnten. Das Unternehmen stellt dabei erhebliche Zeit- und Kostenvorteile gegenüber klassischen Modernisierungsprojekten in Aussicht und spricht davon, Transformationen innerhalb von Monaten statt Jahren ermöglichen zu können.
Wie weit sich dieser Anspruch bei großen, über Jahrzehnte gewachsenen COBOL-Anwendungen tatsächlich einlösen lässt, bleibt offen. Öffentlich nachvollziehbare Kennzahlen aus den genannten Kundenprojekten liegen bislang nicht vor. Gerade bei geschäftskritischen Systemen im Finanzsektor reicht die technische Übersetzung des Codes nicht aus: Entscheidend ist, dass über Jahrzehnte entstandene Geschäftslogik, Schnittstellen, Datenabhängigkeiten und Sonderfälle vollständig erhalten bleiben und das Verhalten des neuen Systems verlässlich nachgewiesen werden kann.
Hypercubic setzt nach eigener Darstellung genau an diesem Problem an. Ob der KI-basierte Ansatz auch bei großen produktiven Mainframe-Landschaften die versprochene Beschleunigung erreicht, muss sich jedoch erst in der Praxis zeigen. (td)





