Mainframe-Trends: KI verlagert den Engpass vom Entwickeln zum Prüfen

Generative KI kann Entwicklungsarbeit beschleunigen – schafft damit aber möglicherweise einen neuen Engpass: die qualifizierte Prüfung des erzeugten Codes. Diese Entwicklung gehört zu den Signalen, die Mainframe-Experten in einer aktuellen Ausgabe von „Mainframe Voices“ für besonders relevant halten. Daneben geht es um neue Einsatzmöglichkeiten von KI in Legacy-Systemen und einen leichteren Zugang zu z/OS.

Welche Trends sollte die Mainframe-Community derzeit besonders im Blick behalten? Dieser Frage widmet sich eine aktuelle Ausgabe von „Mainframe Voices“, einem Format des Open Mainframe Project. Zu Wort kommen Geoffrey Decker von der Northern Illinois University, Jakub Balhar von Broadcom, Brahadambal Srinivasan von IBM und IBM Z Student Ambassador Erin Joel Moore.

Wenn mehr Code entsteht, wird das Review zum Engpass

Eine der interessantesten Beobachtungen betrifft die Folgen generativer KI für die Softwareentwicklung. KI könne die Kosten für die Entwicklung neuer Funktionalitäten deutlich senken und die Menge produzierten Codes erhöhen. Im Open-Source-Umfeld werde jedoch bereits eine gegenläufige Entwicklung sichtbar: Die Zahl der Personen, die Beiträge qualifiziert prüfen und über deren Aufnahme in eine Codebasis entscheiden können, wachse nicht im gleichen Tempo.

Damit könnte sich der Engpass von der Entwicklung zur Qualitätssicherung verschieben. Gerade bei Mainframe-Anwendungen bleibt entsprechendes Fachwissen nach Einschätzung der Gesprächsrunde wichtig. Auch KI-generierter oder transformierter Code müsse daraufhin überprüft werden, ob er tatsächlich dasselbe Verhalten wie bestehende Anwendungen aufweise.

Gleichzeitig wird ein Einsatzgebiet hervorgehoben, bei dem KI unmittelbar bei gewachsenen IT-Landschaften helfen könnte: die Rekonstruktion fehlenden Systemwissens. Jahrzehntealte COBOL-Anwendungen seien teilweise nur noch unzureichend dokumentiert. KI könne bestehende Systeme analysieren und dabei helfen, deren Funktionsweise und Kontext wieder nachvollziehbar zu machen.

Mehr Zugang zu z/OS und Open Source

Als weiteres wichtiges Signal nennt die Gesprächsrunde den Zugang zu z/OS. Praktische Erfahrung mit der Plattform sei außerhalb von Unternehmen weiterhin vergleichsweise schwer zu sammeln. Das Open Mainframe Project arbeite an Möglichkeiten, Entwicklern eine Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der sie Software unter z/OS validieren könnten. Dies könne den Einstieg erleichtern und insbesondere mehr Open-Source-Entwicklung auf z/OS ermöglichen.

Parallel werde das Open-Source-Ökosystem auf Linux on Z ausgebaut. Genannt werden unter anderem Kubernetes, TensorFlow, MongoDB und CockroachDB. Auch weitere KI-Projekte sollen dem Gespräch zufolge für die Plattform verfügbar gemacht werden.

Über die verschiedenen Perspektiven hinweg zeichnet sich damit vor allem eine Verschiebung ab: KI kann Entwicklungs- und Analysearbeit beschleunigen. Die Fähigkeit, Ergebnisse zu verstehen, zu prüfen und in bestehende Mainframe-Landschaften einzuordnen, gewinnt dadurch jedoch eher an Bedeutung als dass sie überflüssig wird. (td)