Ausgangspunkt des Beitrags auf Planet Mainframe ist das KI-Modell Claude Mythos von Anthropic. Dieses habe, so Maunier, unter anderem eine 17 Jahre alte Sicherheitslücke in FreeBSD sowie einen 27 Jahre alten Fehler in OpenBSD identifiziert. Nach Angaben von Anthropic erreichte das Modell bei anspruchsvollen Cybersicherheitsaufgaben eine Erfolgsquote von 73 Prozent. Die Ergebnisse verdeutlichen die Fortschritte bei der KI-gestützten Schwachstellenanalyse.
Auch kleinere KI-Modelle verfügen zunehmend über entsprechende Fähigkeiten. Der Autor verweist auf Untersuchungen des Cybersicherheitsunternehmens AISLE, bei denen mehrere vergleichsweise kleine Modelle eine bereits bekannte FreeBSD-Schwachstelle identifizieren konnten. Damit sinken die technischen und finanziellen Hürden für die automatisierte Suche nach Sicherheitslücken.
Welche Folgen die KI-gestützte Entdeckung immer neuer Sicherheitslücken für das Patch-Management haben könnte, haben wir bereits in unserem Beitrag „Vulnpocalypse: Droht Mainframes ein Patch-Stau durch KI?“ beleuchtet.
Sicherheitsrisiken bei TN3270 und Middleware
Für Mainframe-Umgebungen identifiziert Maunier drei zentrale Risikobereiche. Dazu gehören unverschlüsselte TN3270-Verbindungen. TN3270 ist ein Netzwerkprotokoll, das den terminalbasierten Zugriff auf Anwendungen auf IBM-Mainframes ermöglicht und insbesondere in historisch gewachsenen IT-Umgebungen eingesetzt wird. Ohne entsprechende Absicherung können über solche Verbindungen sensible Informationen einschließlich Zugangsdaten im Klartext übertragen werden. Mit TLS beziehungsweise AT-TLS stehen seit Langem Verschlüsselungsmöglichkeiten zur Verfügung. Entscheidend ist deren konsequenter Einsatz.
Ein weiteres Risiko sieht der Autor in veralteten Authentifizierungsverfahren und Zugangsdaten, die beispielsweise in Skripten oder Konfigurationsdateien hinterlegt sind. KI-gestützte Analysewerkzeuge können die systematische Suche nach solchen Informationen erleichtern.
Als dritten Bereich nennt er Middleware-Schnittstellen, etwa zu CICS, MQ oder IMS. Insbesondere ältere Integrationen mit gemeinsam genutzten oder seit Langem unveränderten Zugangsdaten können zusätzliche Angriffsflächen schaffen.
Maunier verweist außerdem auf eine Untersuchung des Sicherheitsdienstleisters NetSPI aus dem Jahr 2025. Diese habe bei untersuchten Mainframe-Umgebungen unter anderem Defizite bei der Netzwerksegmentierung und beim Passwortschutz festgestellt.
Konsequenzen für Banken und Versicherungen
Für Finanzinstitute rückt damit die Absicherung bestehender Mainframe-Zugänge und Schnittstellen stärker in den Fokus. Der Digital Operational Resilience Act (DORA) verpflichtet betroffene Unternehmen bereits zu einem systematischen IKT-Risikomanagement und zur regelmäßigen Überprüfung ihrer digitalen Widerstandsfähigkeit.
Maunier sieht angesichts leistungsfähiger KI-Werkzeuge zusätzlichen Handlungsbedarf bei Sicherheitsanalysen. Automatisierte Verfahren erlauben es Angreifern, größere Teile einer IT-Infrastruktur systematisch nach Schwachstellen zu durchsuchen. Entsprechend sollten auch Sicherheitsprüfungen die Möglichkeiten KI-gestützter Angriffswerkzeuge berücksichtigen.
Für Betreiber geschäftskritischer Mainframe-Systeme ergibt sich daraus eine konkrete Aufgabe: Bestehende Zugangswege, Authentifizierungsverfahren und Middleware-Integrationen müssen regelmäßig auf bekannte Schwachstellen und Fehlkonfigurationen überprüft werden. Die zunehmende Leistungsfähigkeit von KI erhöht dabei den Druck, bestehende Sicherheitsdefizite frühzeitig zu erkennen und zu beheben. (td)





