Die Defense Logistics Agency (DLA), die Logistik- und Versorgungsorganisation des US-Verteidigungsministeriums, hat eines ihrer langjährig betriebenen Legacy-Systeme abgelöst. Die Behörde unterstützt die Versorgung des US-Verteidigungsministeriums sowie von Verbündeten und Partnern. Wie das Federal News Network berichtet, hat die DLA ihr zentrales Katalogsystem von einer rund 35 Jahre alten COBOL-Plattform auf ein kommerzielles ERP-System verlagert.
Das Katalogsystem dient als zentrale Datenbasis für die Versorgung des US-Verteidigungsministeriums sowie verbündeter Staaten und NATO-Partner. Nach Angaben von DLA-CIO Adarryl Roberts hätten sich auf der bisherigen COBOL-Plattform zahlreiche Abläufe nur manuell abbilden lassen. Bestimmte Anforderungen des Verteidigungsministeriums und der NATO hätten zudem nicht mehr in das bestehende System integriert werden können. Mit der neuen Plattform sollen Daten und Anfragen schneller verarbeitet und weitere Prozesse automatisiert werden.
Integration als zentrale Herausforderung
Die Modernisierung des Katalogsystems begann 2021 und ist Teil einer auf zehn Jahre angelegten IT-Modernisierungsstrategie der DLA. Die Behörde hatte diese 2020 formuliert und 2025 aktualisiert. Ein wesentliches Ziel ist der Abbau technischer Schulden. Legacy-Systeme sollen dabei schrittweise durch moderne kommerzielle Plattformen ersetzt werden.
Die technische Umsetzung der Migration ist laut Roberts vergleichsweise geradlinig gewesen. Als komplex habe sich vor allem die Koordination der Integrationen erwiesen. Zahlreiche Systeme liefern Daten an die zentrale Katalogplattform. Hinzu kamen Abstimmungen innerhalb der DLA sowie mit dem Verteidigungsministerium und NATO-Partnern.
Im Zuge ihrer Modernisierungsstrategie hat die DLA auch ihre Entwicklungszyklen verkürzt. Für die Bereitstellung erster funktionsfähiger Lösungen arbeitete die Behörde zunächst mit Zyklen von 120 Tagen. In den vergangenen Jahren seien daraus 90 Tage geworden, bei einigen Projekten liege der Zeitraum inzwischen bei 60 Tagen.
Konfiguration hat Vorrang
Für die neue Plattform verfolgt die DLA nach Angaben ihres CIO den Grundsatz „configure first, customize last“. Anforderungen sollen möglichst über vorhandene Konfigurationsmöglichkeiten der Standardsoftware umgesetzt werden. Eigene Entwicklungen kommen unter anderem bei speziellen gesetzlichen, regulatorischen oder sicherheitsbezogenen Anforderungen des Verteidigungsbereichs zum Einsatz.
Diese Anpassungen realisiert die DLA möglichst außerhalb des kommerziellen ERP-Kerns über eine angebundene Low-Code-Plattform. Die Architektur soll gewährleisten, dass Individualentwicklungen die kommerzielle Softwareplattform nicht beeinträchtigen oder deren Betrieb und Weiterentwicklung unnötig verteuern.
COBOL-System bleibt vorübergehend verfügbar
Die Nutzung des bisherigen COBOL-Systems habe die DLA im Juni eingestellt. Die endgültige Abschaltung ist nach einer Übergangsphase geplant. Roberts zufolge soll die alte Plattform 60 bis 90 Tage verfügbar bleiben, um bei möglichen Problemen mit dem neuen System darauf zurückgreifen zu können.
Mit der Inbetriebnahme beginnt zugleich das Lifecycle-Management der neuen Plattform. Die DLA will weitere Automatisierungs- und KI-Funktionen in ihre Prozesse integrieren und die Plattform kontinuierlich weiterentwickeln. Governance-Gremien sollen Anforderungen priorisieren und darauf achten, Individualisierungen nachhaltig umzusetzen. Damit will die Behörde verhindern, dass erneut technische Schulden entstehen.
Als nächstes großes Modernisierungsvorhaben steht das Beschaffungssystem der DLA an. Dessen Erneuerung soll im kommenden Jahr vorangetrieben werden. Roberts bezeichnete das System gegenüber dem Federal News Network als letztes großes Puzzleteil der ERP-Modernisierung. (td)





