Die japanischen Landesgesellschaften von TmaxSoft und Kyndryl wollen ihre Zusammenarbeit bei der Mainframe-Modernisierung ausbauen. Dafür planen die Unternehmen ein gemeinsames „OpenFrame Modernization Center of Excellence“ (CoE), das japanische Unternehmen beim Wechsel von Mainframes auf offene Systeme und Cloud-Umgebungen unterstützen soll.
Das geht aus einer Pressemitteilung von TmaxSoft Japan hervor. Auch das japanische Fachmedium Cloud Watch berichtet über die Kooperation.
TmaxSoft ist ein südkoreanischer Softwareanbieter, dessen japanische Tochter seit 2000 im Land aktiv ist. Kyndryl Japan gehört zum 2021 aus IBM ausgegliederten IT-Infrastrukturdienstleister Kyndryl. Im neuen CoE wollen beide Unternehmen Vertrieb und Marketing, Projektdelivery sowie Wartung und Support gemeinsam organisieren.
Im Mittelpunkt steht ein stärker standardisiertes Delivery-Modell. Statt Mainframe-Migrationen jeweils als einzelnes SI-Projekt aufzusetzen, wollen die Unternehmen stärker auf Standardisierung, Wiederverwendung und Arbeitsteilung setzen. Damit sollen Projekte schneller umgesetzt und die Qualität gesichert werden. Diese Zielsetzung ist zunächst eine Aussage der beteiligten Unternehmen.
Rehosting statt Neuentwicklung
Technische Grundlage ist TmaxSofts OpenFrame. Die Lösung verfolgt einen Rehosting-Ansatz: Bestehende Anwendungen werden nicht grundsätzlich neu entwickelt, sondern auf eine offene beziehungsweise Cloud-basierte Laufzeitumgebung verlagert. Nach Angaben von TmaxSoft können dabei vorhandene Assets in COBOL, PL/I und Assembler sowie JCL weitgehend weiterverwendet werden. Der Hersteller verspricht dadurch einen geringeren Migrationsaufwand und niedrigere Risiken als bei einer Neuentwicklung.
Dass Rehosting in der japanischen Mainframe-Modernisierung eine Rolle spielt, zeigen auch konkrete Projekte aus dem Finanzsektor. So hat FWD Life Insurance Japan ein seit 1996 betriebenes Vertragsverwaltungssystem auf OpenFrame und Microsoft Azure verlagert. Bei Sompo Japan wurde ein aus COBOL, JCL und Assembler bestehendes System von einem IBM-Mainframe auf Azure und Linux rehostet. Auch Nomura Securities setzte OpenFrame bereits bei der Verlagerung eines Systems zur Verarbeitung von Anleihegeschäften in eine offene Umgebung ein. Die Angaben zu den Projektergebnissen stammen jeweils von TmaxSoft beziehungsweise den dort veröffentlichten Kundenberichten.
Das CoE fügt sich zugleich in Kyndryls Ansatz für die Mainframe-Modernisierung ein. Das Unternehmen unterscheidet zwischen „Modernize on“, also der Modernisierung auf dem Mainframe, „Integrate with“ zur Integration mit anderen Plattformen und „Move off“ für die Verlagerung auf offene Systeme. Die Zusammenarbeit mit TmaxSoft ist dem letztgenannten Ansatz zuzuordnen.
Japans „Digital Cliff“ als Hintergrund
Die Initiative trifft in Japan auf eine seit Jahren geführte Debatte über die Modernisierung gewachsener IT-Landschaften. Unter dem Schlagwort „Digital Cliff“ werden dabei nicht nur technische Altlasten diskutiert. Analysen des Nomura Research Institute verweisen unter anderem auf fehlendes Wissen über bestehende Systeme, unzureichende Dokumentation sowie Schwierigkeiten bei der Steuerung großer Modernisierungsvorhaben.
Vor diesem Hintergrund ist der Rehosting-Ansatz interessant: Er zielt zunächst darauf, die technische Plattform zu wechseln, ohne gleichzeitig die bestehende Geschäftslogik grundlegend neu zu entwickeln. Dass in Japan parallel weitere Organisationsmodelle für den Umgang mit Legacy-Systemen entstehen, zeigt COBOL PARK. Ende 2025 hatten der japanische IT-Dienstleister SCSK und das vietnamesische Unternehmen FPT das Joint Venture für Betrieb und Modernisierung von COBOL-Systemen gegründet. Auch dort gehören Banken und Versicherungen zu den adressierten Branchen. (td)

OpenFrame soll bestehende Mainframe-Anwendungen auf offene Plattformen überführen, ohne die Geschäftslogik grundlegend neu zu entwickeln. Die Grafik zeigt den von TmaxSoft vorgesehenen Migrationsprozess. (Quelle: TmaxSoft)





