Mainframe Mythbusting: IBM widerspricht Exit-Narrativen

Auf der diesjährigen New York Tech Week hat IBM das Panel „Mainframe Mythbusting“ genutzt, um mit verbreiteten Vorurteilen rund um Mainframe-Systeme aufzuräumen. Im Mittelpunkt standen dabei Aussagen zur anhaltenden Bedeutung großer Plattformen wie IBM Z für Banken, Handel, Reiseindustrie und Gesundheitswesen.

Wie IBM in einem begleitenden Beitrag berichtet, verwiesen die Panelteilnehmer unter anderem auf die hohe Verbreitung von Mainframes in der Finanzbranche. Demnach würden 44 der weltweit 50 größten Banken weiterhin auf entsprechende Systeme setzen. Zudem seien Mainframes nach Angaben von IBM an einem Großteil der globalen Transaktionsverarbeitung beteiligt.

Tina Tarquinio, Chief Product Officer für IBM Z und LinuxONE, betonte auf dem Panel, dass viele alltägliche Prozesse weiterhin auf Mainframe-Technologie basierten. Kreditkartenzahlungen, Bargeldabhebungen, Flugbuchungen oder Vorgangsabwicklungen im Gesundheitsbereich seien Beispiele dafür, wie stark die Plattform weiterhin im Hintergrund wirtschaftlicher Kernprozesse arbeite.

Im Zentrum der Diskussion stand insbesondere die Frage, ob Mainframes angesichts von Cloud-Plattformen und modernen Entwicklungsumgebungen noch zeitgemäß sind. IBM widersprach dabei der häufig vertretenen Annahme, jüngere Entwicklergenerationen hätten keinen Bezug mehr zur Plattform. Laut Tarquinio unterstütze das IBM-Z-Umfeld heute auch moderne Werkzeuge und Programmiersprachen wie Python, Go, Git oder Visual Studio Code.

Negative Aussichten für das Geschäftsmodell Mainframe-Ablösung

Auch das Thema „Mainframe Exit“ spielte auf dem Panel eine zentrale Rolle. Moderatorin Aili McConnon verwies dabei auf eine Gartner-Prognose, wonach sich bis 2030 ein Großteil der Anbieter im Markt für Mainframe-Ablösungen entweder neu ausrichten oder ganz vom Markt verschwinden könnte. Als Grund werde unter anderem die hohe Komplexität großflächiger Migrationen genannt. Auf dem Legacy IT Center hatten wir bereits über die zugrunde liegende Gartner-Einschätzung berichtet, wonach viele KI-gestützte Mainframe-Exit-Projekte ihre Ziele verfehlen könnten.

IBM argumentierte entsprechend, dass Modernisierung nicht zwangsläufig eine vollständige Ablösung bedeuten müsse. Statt eines „Rip-and-Replace“-Ansatzes setze man auf schrittweise Integration und Weiterentwicklung bestehender Plattformen.

PJ Catalano, Principal Test Lead für IBM Z und LinuxONE, hob die Skalierungsfähigkeit großer Systeme hervor. Mainframes seien darauf ausgelegt, enorme Mengen paralleler Transaktionen mit hoher Stabilität und Verfügbarkeit zu verarbeiten. Eine Verteilung derselben Workloads auf tausende kleinere Systeme könne nach seiner Einschätzung zusätzliche Komplexität bei Betrieb, Sicherheit und Konfiguration verursachen.

Viele Modernisierungslösungen auf dem Mainframe

Dass das Thema derzeit deutlich an Dynamik gewinnt, zeigen auch Reaktionen aus dem Umfeld von Investoren und Modernisierungsanbietern. Will Walker vom Venture-Capital-Unternehmen Jump Capital schrieb im Nachgang der Veranstaltung, aktuell sei über den gesamten Mainframe-Stack hinweg eine starke Zunahme von Modernisierungslösungen zu beobachten. Hintergrund sei insbesondere der zunehmende Druck vieler Unternehmen, KI-Transformationen umzusetzen. Im Vergleich zur früheren Cloud-Welle würden Unternehmen derzeit mit deutlich höherer Dringlichkeit handeln. (td)