Wer derzeit Stellenanzeigen im Mainframe-Umfeld verfolgt, stößt in Frankreich auf eine auffällig breite Auswahl an Positionen für COBOL-Entwickler, Großrechner-Spezialisten und z/OS-Experten. Für das Legacy IT Center war das Anlass, genauer hinzusehen: Sucht Frankreich tatsächlich stärker nach Mainframe-Kompetenz als Deutschland? Und unterscheiden sich womöglich weniger die Mengen als die gesuchten Profile und die Unternehmen, die dahinterstehen?
Für eine Stichprobe haben wir deshalb die auf LinkedIn veröffentlichten Mainframe-Stellen der vergangenen vier Wochen für Frankreich und Deutschland gegenübergestellt. Die Suche lieferte 106 Treffer in Frankreich und 86 in Deutschland, von denen 85 deutsche Anzeigen in die Auswertung übernommen werden konnten. Schon die Rohzahlen relativieren den ersten Eindruck eines außergewöhnlich großen französischen Marktes. Interessanter wird der Vergleich beim Blick auf Arbeitgeber und Tätigkeitsprofile.
Frankreich: COBOL-Entwickler bleiben gefragt
In Frankreich fallen zunächst die zahlreichen Stellen für klassische Mainframe-Anwendungsentwicklung auf. Gesucht werden „Développeur COBOL“, „Analyste développeur Mainframe“, „Ingénieur COBOL“ oder „Concepteur développeur Mainframe“. Hinzu kommen spezialisierte Rollen für z/OS, DB2, Security, Produktion und Capacity Planning.
Auffällig ist zudem die große Zahl externer IT-Dienstleister und Beratungen. Unternehmen wie Inetum, CGI, Astek, Sopra Steria, SII oder Scalian suchen Mainframe-Fachkräfte an zahlreichen französischen Standorten. Welche Endkunden hinter den einzelnen Positionen stehen, geht aus den Stellenanzeigen häufig nicht hervor.
Daneben zeigt die Stichprobe eine starke Nachfrage aus dem Finanzsektor. Société Générale, Crédit Agricole CIB, BNP Paribas, CNP Assurances oder CASDEN Banque Populaire suchen selbst entsprechende Spezialisten. Hinzu kommen große IT-Organisationen französischer Finanzgruppen.
Besonders sichtbar ist Euro-Information, die Technologieeinheit von Crédit Mutuel. Sie betreibt Informationssysteme für Banken und weitere Unternehmen der Gruppe und taucht in der Stichprobe mit zahlreichen Stellen auf. Die Aufgaben reichen von COBOL-Entwicklung über Mainframe-Datenbanken bis zu Anwendungen für Cash Management, Kartenverkehr, Wertpapiergeschäft sowie Kreditrisiko und Basel-Regulatorik.
Auch die Groupe BPCE und Crédit Agricole bündeln wesentliche Teile ihrer IT in eigenen Organisationen wie BPCE Solutions informatiques, BPCE Infogérance & Technologies oder Crédit Agricole Group Infrastructure Platform (CA-GIP). Funktional lassen sich solche Einheiten in Teilen mit zentralen deutschen Finanz-IT-Dienstleistern vergleichen.
Deutschland: z/OS und Infrastruktur stärker sichtbar
Auch hierzulande sitzen viele Mainframe-Spezialisten nicht unmittelbar bei einzelnen Banken. Finanz Informatik und Atruvia übernehmen zentrale IT-Aufgaben für Sparkassen beziehungsweise die genossenschaftliche FinanzGruppe. In der aktuellen Stichprobe suchen beide Unternehmen Mainframe- beziehungsweise z/OS-Spezialisten. Hinzu kommt die Finanz Informatik Technologie Service (FITS).
Gleichzeitig ist die direkte Nachfrage von Banken und Versicherern bemerkenswert breit. Unter den Arbeitgebern finden sich unter anderem R+V, Nürnberger, LVM, TARGOBANK, DekaBank, HDI, AXA und LBBW. Die dwpbank sucht ebenfalls Mainframe-Kompetenz für ihre auf Wertpapierdienstleistungen ausgerichtete Finanz-IT.
Bei den Tätigkeitsprofilen entsteht ein etwas anderes Bild als in Frankreich. Neben COBOL-Entwicklern werden in Deutschland auffällig häufig Spezialisten für z/OS, Mainframe-Infrastruktur, Storage, IMS, Security Monitoring, Netzwerk, Batchsteuerung und Application Management gesucht. Ob sich daraus tatsächlich ein grundsätzlich stärkerer Infrastruktur-Schwerpunkt ableiten lässt, müsste eine größere Erhebung zeigen. Die Stichprobe liefert dafür jedoch einen interessanten Hinweis.
LinkedIn-Treffer sind keine offenen Stellen
Die absoluten Zahlen sollten mit Vorsicht gelesen werden. LinkedIn spielt identische Ausschreibungen teilweise für mehrere Standorte aus. Besonders deutlich ist das in Deutschland etwa bei Mainframe-Stellen von FITS, Finanz Informatik, Atruvia, BWI oder Expleo zu erkennen. Außerdem enthält die Suche Randtreffer ohne eindeutig erkennbaren Mainframe-Bezug.106 französische und 85 ausgewertete deutsche Treffer bedeuten daher nicht 191 unterschiedliche offene Mainframe-Stellen. Die Stichprobe eignet sich vor allem dazu, Strukturen und Schwerpunkte der Nachfrage sichtbar zu machen.
Dabei zeigt sich: Mainframe-Kompetenz wird 2026 auf beiden Seiten des Rheins aktiv gesucht. Frankreich fällt durch zahlreiche COBOL- und Entwicklerprofile sowie einen ausgeprägten Markt externer IT-Dienstleister auf. In Deutschland sind Banken, Versicherer und zentrale Finanz-IT-Dienstleister stark vertreten; zugleich treten Infrastruktur- und z/OS-Profile besonders deutlich hervor.
Schon eine frühere Analyse des Legacy IT Center hatte gezeigt, dass die Sichtbarkeit von COBOL- und Mainframe-Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt international stark variiert. Dabei lag Frankreich bei expliziten COBOL-Ausschreibungen bereits vor Deutschland. Die aktuelle Stichprobe bestätigt, dass solche Zahlen im jeweiligen nationalen Kontext betrachtet werden müssen – und zeigt nun genauer, wie unterschiedlich sich die Nachfrage in Frankreich und Deutschland zusammensetzt.
Wer selbst sehen möchte, welche Unternehmen aktuell nach Mainframe-, COBOL- und Legacy-IT-Spezialisten suchen, findet im Legacy IT Job Radar regelmäßig ausgewählte Stellen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dort konzentrieren wir uns gezielt auf Jobs rund um Mainframe, Legacy-Technologien und die Modernisierung geschäftskritischer IT-Landschaften. (td)

La Défense bei Paris: Das größte Geschäftsviertel Frankreichs ist ein wichtiger Standort für Banken, Versicherer und Finanzdienstleister – und Teil eines weiterhin stark vom Mainframe geprägten Finanzsektors.





