z/VM gehört zu den tragenden Virtualisierungstechnologien auf der IBM-Z-Plattform – und bleibt dennoch oft im Hintergrund. Für Banken und Versicherungen, die ihre Kernsysteme konsolidieren, regulatorische Anforderungen erfüllen und Hybrid-Cloud-Strategien umsetzen müssen, spielt der Hypervisor jedoch eine strategische Rolle. Im Gespräch mit dem Legacy IT Center erläutert Thomas Immel, Product Manager für z/VM bei IBM, wie sich die Plattform positioniert, wo ihre Stärken in Sachen Resilienz und Konsolidierung liegen – und warum Stabilität im Finanzsektor kein Widerspruch zu Innovation ist.
Herr Immel, wie wird z/VM heute intern bei IBM wahrgenommen – eher als Betriebssystem oder primär als Virtualisierungsschicht?
Primär ist z/VM der Hypervisor der IBM-Z-Plattform – und der einzige, der alle Betriebssysteme der Z unterstützt, darunter z/OS, VSEn und z/TPF. Das ist ein entscheidender strategischer Unterschied. Gleichzeitig besteht z/VM aus zwei Komponenten: dem Control Program als Hypervisor und CMS als interaktive Shell. CMS wurde historisch für Konfiguration und Monitoring entwickelt und wird weiterhin unterstützt. Unser strategischer Fokus liegt jedoch klar auf der Hypervisor-Funktion.
Warum gibt es vergleichsweise wenige Veröffentlichungen zu z/VM, insbesondere im deutschsprachigen Raum?
Der fachliche Austausch findet überwiegend im englischsprachigen Raum statt. Eine zentrale Rolle spielt der VM Workshop, eine spezialisierte Konferenz für z/VM-Anwender. Dort diskutieren Kunden, Entwickler und Produktmanagement sehr konkret über technische Entwicklungen. Die Kommunikation erfolgt also stärker über Community-Formate als über klassische Medien. Gleichzeitig beobachten wir, dass Know-how in manchen Regionen Europas abnimmt, während es in Asien und Amerika aktiv ausgebaut wird.
Welche strategischen Schwerpunkte verfolgt IBM aktuell mit z/VM?
Wir konzentrieren uns auf vier Bereiche: Skalierung, Benutzbarkeit, Resilienz und Hardware-Unterstützung. Bei der Skalierung geht es insbesondere um die adressierbare Hauptspeichergrenze. Aktuell unterstützen wir 4 Terabyte pro Instanz, perspektivisch soll diese Grenze steigen – vor allem mit Blick auf große Datenbank-Workloads.
Im Bereich Benutzbarkeit modernisieren wir Terminologie und Schnittstellen. Historisch gewachsene Begriffe werden durch marktübliche Bezeichnungen ersetzt. Zudem stärken wir die Linux-Integration und die Zusammenarbeit mit dem IBM Cloud Infrastructure Center.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Widerstandsfähigkeit gegen Hardware-Probleme. Neue Mechanismen erlauben es, das Restart-Verhalten gezielt zu steuern – etwa bei bekannten I/O-Problemen. Das erhöht die Verfügbarkeit. Und schließlich stellen wir sicher, dass neue Z- und LinuxONE-Generationen vom ersten Tag an vollständig unterstützt werden.
Welche Rolle spielt z/VM im Zusammenspiel mit Cloud- und verteilten Systemen?
IBM hat Hybrid Cloud früh als strategisches Modell positioniert. Wir waren immer der Überzeugung, dass nicht jede Workload in die Public Cloud gehört. z/VM verstehen wir daher als „Cloud on Prem“. Kunden können ihre Virtuellen Maschinen wie in der Cloud im eigenen Rechenzentrum betreiben – inklusive Automatisierung über Ansible oder Terraform. Für Finanzinstitute bedeutet das: moderne Betriebsmodelle bei gleichzeitig voller Kontrolle über Infrastruktur und Daten.
Wie gelingt der Spagat zwischen Stabilität und Innovationsgeschwindigkeit?
Stabilität ist die Basis unserer Arbeit. Viele Kunden betreiben geschäftskritische Prozesse seit Jahrzehnten auf der Plattform. Innovation erfolgt deshalb evolutionär. Wir integrieren neue Security-Standards, Verschlüsselungsmechanismen und Zertifizierungen – ohne disruptive Brüche. Gerade im Finanzsektor ist Planbarkeit ein strategischer Wert.
Welche Rolle spielt z/VM bei Resilienz und regulatorischen Anforderungen wie DORA?
Die Z-Plattform bringt bereits eine sehr hohe Hardware-Verfügbarkeit mit. Als Hypervisor überwacht z/VM virtuelle Maschinen und kann im Fehlerfall eingreifen – etwa durch Neustart oder Migration auf andere LPARs oder Systeme. Damit lassen sich Anforderungen, die sonst auf Anwendungsebene umgesetzt werden müssten, infrastrukturseitig adressieren.
Wo liegen die größten Vorteile – und die Grenzen – der Konsolidierung?
Der größte Vorteil ist die Ressourceneffizienz. CPU-Auslastungen von 98 oder 99 Prozent sind realistisch. Manche Kunden betreiben tausende virtuelle Maschinen auf einer einzigen Instanz. Das reduziert Komplexität und Administrationsaufwand erheblich. Grenzen sehen wir aktuell bei der adressierbaren Speichergröße – an deren Erweiterung wir arbeiten – sowie beim verfügbaren Anwendungswissen im Markt. Und genau dort setzen wir gezielt an.
Im zweiten Teil des Interviews, der am 9. März 2026 erscheint, spricht Thomas Immel über die Fachkräftesituation rund um z/VM, die Education-Angebote von IBM und die Rolle des z/VM Council. Dabei geht es um die Frage, wie Know-how nachhaltig aufgebaut und weitergegeben werden kann.
Kurzvita – Thomas Immel
Thomas Immel ist seit über 25 Jahren bei IBM tätig und verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Weiterentwicklung von Plattformtechnologien im Z-Umfeld. Seine Laufbahn begann in der Softwareentwicklung, unter anderem für DB2 auf z/OS, IBM Performance Manager sowie den IBM DB2 Analytics Accelerator. Im Laufe der Jahre übernahm er zunehmend fachliche und organisatorische Verantwortung als Team Lead, Iteration Manager und Release Manager. Seit November 2023 ist er Product Manager für IBM z/VM. Zuvor verantwortete er unter anderem das IBM Z and LinuxONE Security and Compliance Center.
Über IBM
Die International Business Machines Corporation (IBM) ist ein globales Technologie- und Beratungsunternehmen mit über 300.000 Mitarbeitenden in mehr als 170 Ländern. Seit über einem Jahrhundert prägt IBM die Entwicklung der Informationstechnologie – von Großrechnern und Datenbanksystemen bis hin zu modernen Hybrid-Cloud-Architekturen und Künstlicher Intelligenz. Heute unterstützt IBM Unternehmen mit Lösungen in den Bereichen Software, Infrastruktur und Consulting dabei, komplexe IT-Landschaften zu modernisieren, sicher zu betreiben und regulatorische Anforderungen zuverlässig zu erfüllen.





