Knapp vier Wochen nach dem historischen Kursrutsch der IBM-Aktie hält die Diskussion um das Mainframe-Geschäft des Unternehmens an. Während mehrere US-Kanzleien prüfen, ob IBM Investoren ausreichend über die Entwicklung des Z-System-Geschäfts und neuer Vertragsabschlüsse informiert hat, weist das Unternehmen den Eindruck einer strukturellen Schwäche des Mainframe-Marktes zurück.
Auslöser der Diskussion waren die Mitte Juli veröffentlichten Quartalszahlen. Im Infrastrukturgeschäft verzeichnete IBM im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von sieben Prozent auf 3,84 Milliarden US-Dollar. Innerhalb dieses Segments ging der Umsatz mit den IBM-Z-Systemen gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent zurück. Nach Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen verlor die IBM-Aktie am 14. Juli zeitweise mehr als 25 Prozent ihres Wertes. Im weiteren Monatsverlauf konnte sich der Kurs zwar teilweise erholen, lag am 6. August mit 233,43 US-Dollar aber noch immer mehr als 20 Prozent unter dem Niveau einen Monat zuvor.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen mehrerer US-Kanzleien steht nach deren Angaben die Frage, ob IBM Investoren rechtzeitig und vollständig über die Entwicklung des Mainframe-Geschäfts sowie neuer Vertragsabschlüsse informiert habe. Dabei handelt es sich bislang um Untersuchungen möglicher Verstöße gegen das US-Wertpapierrecht; eine gerichtliche Entscheidung liegt derzeit nicht vor.
IBM hält hingegen an seiner Einschätzung fest, dass die Entwicklung im zweiten Quartal vor allem auf verschobene Großaufträge zurückzuführen sei. Vorstandsvorsitzender Arvind Krishna erklärte nach der Veröffentlichung der Zahlen: „Ein Drittel der im zweiten Quartal verschobenen Großaufträge ist inzwischen zurückgekehrt.“ Als Ursache nannte er unter anderem kurzfristige Budgetverschiebungen bei Kunden infolge gestiegener Hardwarekosten.
„Keine Hinweise darauf, dass Kunden vom Mainframe abwandern“
Auch Finanzvorstand Jim Kavanaugh wies Spekulationen über eine nachlassende Nachfrage nach Mainframes zurück. Gegenüber Yahoo Finance sagte er: „Wir sehen keine Hinweise darauf, dass Kunden vom Mainframe abwandern.“ Nach Darstellung des Unternehmens spreche dies dafür, dass sich die Nachfrage zeitlich verschoben habe, nicht jedoch grundsätzlich zurückgegangen sei.
Trotz der jüngsten Turbulenzen bewerten viele Analysten die Aktie weiterhin überwiegend positiv. Nach Angaben von MSN Finance empfehlen derzeit 14 von 25 Analysten den Kauf der IBM-Aktie, neun sprechen sich für Halten aus und jeweils ein Analyst empfiehlt Verkauf beziehungsweise starken Verkauf. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 244,16 US-Dollar und damit über dem aktuellen Kursniveau.
Ob sich die Einschätzung des Managements bestätigt, dürfte sich bereits mit den Zahlen für das dritte Quartal 2026 zeigen, deren Veröffentlichung IBM voraussichtlich Mitte Oktober vornehmen wird. Dann wird sich unter anderem zeigen, ob die von IBM beschriebenen verschobenen Großaufträge tatsächlich zu höheren Umsätzen führen. Parallel bleibt abzuwarten, ob aus den laufenden Untersuchungen US-amerikanischer Kanzleien formelle Anlegerklagen entstehen. (td)





