ibi insights: Instant Payments und ISO 20022 erhöhen Druck auf gewachsene Bank-IT

Die aktuelle Ausgabe der ibi insights widmet sich zahlreichen Themen aus Banking und Payments. Zwei Beiträge zeigen dabei besonders deutlich, vor welchen technologischen Herausforderungen viele Finanzinstitute stehen: die Umstellung auf Echtzeit-Liquiditätsmanagement sowie die Einführung von ISO 20022 im Bereich Exceptions & Investigations (E&I).

Im Beitrag „Liquiditätsmanagement im Eilschritt: Vom Tagesende- zum Real-Time-Ansatz“ beschreiben Carsten Gross und Hendrik Kurz von syracom einen grundlegenden Wandel im Treasury-Umfeld. Während Liquiditätssteuerung bislang vielfach auf Tagesendverarbeitung, Batch-Prozessen und planbaren Settlement-Zyklen basierte, würden Instant Payments, T+1-Initiativen und perspektivisch verlängerte Betriebszeiten von TARGET2 zunehmend eine Intraday- beziehungsweise Echtzeitsteuerung erfordern. Die Autoren sprechen von einem Paradigmenwechsel, der nicht nur organisatorische Anpassungen, sondern auch erhebliche Investitionen in bestehende IT-Landschaften notwendig mache.

Als zentrale Hürden nennen sie unter anderem Medienbrüche, unterschiedliche Datenformate, fehlende Zeitstempel und bestehende Batch-Systeme. Gleichzeitig seien Echtzeit-Datenströme, API-basierte Schnittstellen und eine stärkere Vernetzung von Treasury, Zahlungsverkehr und IT erforderlich. Langfristig sehen die Autoren sogar den Einsatz von KI-gestützten Treasury-Funktionen als mögliches Zielbild.

Neue Wege für Exceptions & Investigations (E&I)

Einen ähnlichen Veränderungsdruck macht auch der Beitrag „E&I mit ISO 20022: Klare Zielarchitektur, offene Fragen“ deutlich. Auf Basis einer Marktbefragung verdeutlicht Tobias Münsterberg von DPS, dass viele Finanzinstitute zwar die Einführung der neuen ISO-20022-basierten Reklamations- und Untersuchungsprozesse planen, bei der konkreten technischen Umsetzung jedoch noch erhebliche Unsicherheiten bestehen. Ein relevanter Teil der befragten Institute habe bislang weder eine finale Architekturentscheidung getroffen noch eine klare Integrationsstrategie definiert.

Als bevorzugter technischer Ansatz werden camt-basierte Integrationen genannt, während API-basierte Architekturen bislang nur eine untergeordnete Rolle spielten. Gleichzeitig setzen viele Institute auf Eigenentwicklungen, was die Bedeutung bestehender Systemlandschaften und individueller Integrationsanforderungen unterstreicht.

Beide Beiträge verdeutlichen, dass regulatorische Anforderungen und neue Marktstandards zunehmend auf IT-Strukturen treffen, die ursprünglich für andere Rahmenbedingungen entwickelt wurden. Ob Echtzeit-Liquiditätsmanagement oder ISO-20022-Migration: Für viele Banken dürfte die Modernisierung gewachsener Architekturen damit zu einer der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre werden. (td)

Die vollständige Ausgabe der ibi insights 01/2026 kann kostenfrei digital bezogen werden. In weiteren Beiträgen werden u.a. die Themen Crypto-backed Lending, Wero, und FiDA aufgegriffen.

Was ist ibi research?

Die ibi research an der Universität Regensburg GmbH ist ein unabhängiges Forschungs- und Beratungsinstitut mit Schwerpunkt auf der digitalen Wirtschaft. Im Fokus stehen insbesondere Themen rund um Banking, Zahlungsverkehr, Handel und digitale Geschäftsmodelle. Gemeinsam mit Banken, Finanzdienstleistern, Händlern und Technologieunternehmen untersucht ibi research technologische Trends, regulatorische Entwicklungen und neue Geschäftsmodelle.