Modernisierungsprogramme konzentrieren sich häufig auf Zielarchitekturen, Cloud-Strategien oder KI-Fähigkeit. Ein Meinungsbeitrag auf TechChannel rückt dagegen eine Personengruppe in den Mittelpunkt, die im Transformationsdiskurs selten prominent erscheint: erfahrene Mainframe-Spezialisten, die der Autor Bruce McKnight als „Grayframers“ bezeichnet.
Damit sind jene Fachkräfte gemeint, die nicht nur über technisches Detailwissen verfügen, sondern vor allem den historischen Kontext gewachsener Systemlandschaften kennen. Sie wüssten, warum bestimmte Entscheidungen einst getroffen wurden, welche Provisorien dauerhaft geworden seien und wie sich kritische Situationen in der Vergangenheit tatsächlich lösen ließen. Dieses implizite Wissen sei in komplexen Umgebungen oft entscheidend.
McKnight formuliert seine zentrale These pointiert: „Hier ist die praktische Realität: Man kann eine Plattform ohne Grayframers modernisieren; man kann es nur nicht verlässlich tun.“ Modernisierung sei also grundsätzlich möglich – doch ohne das Erfahrungswissen dieser Spezialisten steige das Risiko unerwarteter Nebenwirkungen und Fehlannahmen.
Zugleich wendet sich der Autor gegen die Vorstellung, es handle sich bei den „Grayframers“ um ein Auslaufmodell. Sinngemäß schreibt er: „Grayframers sind nicht bloß ein Überbleibsel der Vergangenheit – sie sind der Grund, warum die Plattform bis heute so zuverlässig funktioniert.“ Gerade in Banken und Versicherungen, in denen Mainframes seit Jahrzehnten produktiv im Einsatz sind, erhält diese Perspektive besondere Relevanz.
Der Beitrag versteht sich damit als organisatorischer Weckruf. Der vielzitierte Fachkräftemangel im Mainframe-Umfeld erscheint nicht nur als Recruiting-Thema, sondern als strategische Frage der Betriebssicherheit. Legacy-Transformation, so die implizite Botschaft, ist ohne systematisches Wissensmanagement kaum nachhaltig zu gestalten. (td)





