Fujitsu unterstützt COBOL-Modernisierung mit KI-Tool

Fujitsu hat die Einführung seines Angebots „Fujitsu Application Modernization“ angekündigt und stellt dabei insbesondere die Modernisierung von COBOL-Anwendungen in den Mittelpunkt. Laut Unternehmensmitteilung zielt die Lösung darauf ab, historisch gewachsene Kernsysteme effizient zu transformieren, ohne deren geschäftskritische Funktionalität zu gefährden.

Im Fokus steht ein KI-gestützter Ansatz, der COBOL-Code automatisiert analysieren und in moderne Architekturen überführen könne. Fujitsu zufolge ist es möglich, den Arbeitsaufwand in bestimmten Phasen der Modernisierung um bis zu 97 Prozent zu reduzieren. Die KI unterstütze dabei unter anderem die Analyse von Programmstrukturen, die Identifikation von Abhängigkeiten sowie die Ableitung geeigneter Transformationspfade.

Abgrenzung zu generativer Standard-KI

Besonders hebt der japanische Technologiekonzern den eigenen technologischen Ansatz im Vergleich zu generativer Standard-KI hervor. Während allgemeine GenAI-Modelle bei der Analyse komplexer Altsysteme an Grenzen stoßen könnten, liefere die proprietäre Technologie des Unternehmens konsistente und vollständige Designinformationen aus bestehendem Source Code – ausdrücklich auch bei komplexer COBOL-Logik. Damit adressiert Fujitsu ein zentrales Problem vieler Modernisierungsvorhaben: unvollständige oder inkonsistente Analyseergebnisse. Diese Argumentation reiht sich auch in die aktuelle Diskussion ein, wonach generative KI-Modelle – wie zuletzt in einem Praxistest mit Claude gezeigt – bei der COBOL-Modernisierung an strukturelle Grenzen stoßen können.

Abbildung: Fujitsu zeigt den KI-gestützten Ansatz zur automatisierten Analyse von Source Code und Generierung konsistenter Design-Dokumentation („Fujitsu Application Transform powered by Fujitsu Kozuchi“). Quelle: Fujitsu, Pressemitteilung vom 30.03.2026

Das Angebot richtet sich insbesondere an Unternehmen mit umfangreichen COBOL-basierten Systemen – ein Szenario, das gerade im Finanzsektor weit verbreitet ist. Fujitsu argumentiert, dass sich durch die Automatisierung Effizienz steigern und Risiken durch manuelle Eingriffe reduzieren ließen. Gleichzeitig adressiere der Ansatz den zunehmenden Fachkräftemangel im COBOL-Umfeld, da Analyse- und Dokumentationsaufgaben weniger stark von spezialisierten Experten abhängig seien. In Japan wird diese Problematik unter dem Schlagwort „Digital Cliff“ diskutiert, das den absehbaren Wegfall von COBOL-Spezialisten und die daraus entstehenden Modernisierungsrisiken beschreibt – entsprechend wurde das Angebot zunächst in Japan als Software-as-a-Service eingeführt.

KI als Differenzierungsfaktor in der COBOL-Modernisierung

Die Ankündigung zeigt, wie stark sich der Modernisierungsmarkt aktuell auf die automatisierte Erschließung von COBOL-Systemen konzentriert. Nach Einschätzung von TechRadar zielt Fujitsu insbesondere darauf ab, die Abhängigkeit von hochspezialisierten COBOL-Experten zu reduzieren und Analyse- sowie Dokumentationsprozesse weitgehend zu automatisieren. Gleichzeitig werde die Entwicklung als strategisches Signal im Wettbewerb – insbesondere gegenüber etablierten Mainframe-Anbietern – interpretiert.

Vor dem Hintergrund von Fujitsus eigener langjähriger Erfahrung im Mainframe-Umfeld erscheint diese Positionierung konsequent: KI wird hier gezielt eingesetzt, um bestehende Kernsysteme besser verständlich und damit überhaupt erst effizient modernisierbar zu machen. (td)