COBOL in der Schweiz: Wissenstransfer wird zur Herausforderung

COBOL bleibt auch in der Schweiz Bestandteil geschäftskritischer Systeme. Ein aktueller Beitrag des Schweizer Fachmediums IT-Markt zeigt anhand von UBS und dem Logistikunternehmen Planzer, wie Unternehmen mit ihren über Jahrzehnte gewachsenen Anwendungen umgehen. Eine zentrale Herausforderung ist dabei der Generationenwechsel unter den Entwicklern.

Bei UBS werde COBOL insbesondere dort eingesetzt, wo große Datenvolumen sowie hohe Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit und Performance zusammenkämen, erklärt IT Director Tom Liechti gegenüber IT-Markt. Beim Logistikunternehmen Planzer basierten wiederum Kernsysteme für Transport und Logistik auf COBOL. Technisch erfüllten diese nach Angaben von Team Lead Yannik Böni weiterhin die Anforderungen des operativen Betriebs.

Konkreter Handlungsbedarf entsteht bei Planzer durch anstehende Pensionierungen. Von vier COBOL-Entwicklern seien bereits zwei im Ruhestand, arbeiteten jedoch weiterhin für das Unternehmen. Geeigneten Nachwuchs zu finden, gestalte sich schwierig. Auch Daniel Ruffet, Mainframe Leader bei IBM Schweiz, berichtet gegenüber IT-Markt von einer gestiegenen Nachfrage nach COBOL-Expertise. Viele Fachleute mit detailliertem Wissen über Anwendungen und Kunden näherten sich dem Rentenalter.

Ruffet macht zudem eine Rückbesinnung auf die Vorteile der Programmiersprache aus: „In der letzten Zeit steigt das Bewusstsein wieder dafür, wie wichtig Anforderungen wie Verfügbarkeit, Sicherheit, Skalierbarkeit, oder Performance sind.“

Zwischen eigener Ausbildung und langfristiger Ablösung

Die Unternehmen reagieren unterschiedlich. Planzer entwickelt bereits eine neue Software, die das heutige Transportsystem langfristig ersetzen soll. Böni nennt dafür allerdings einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren. Das Beispiel zeigt zugleich, wie lange bestehendes COBOL- und Anwendungswissen selbst bei bereits eingeleiteten Ablösungsprojekten benötigt wird.

UBS setzt dagegen gezielt auf eigenen Nachwuchs. Nach Angaben von IT-Markt bildet die Großbank derzeit rund 20 COBOL-Entwicklerinnen und -Entwickler über zwei Lehrjahre im IT-Way-Up-Programm aus.

Über dieses Modell hatte Tom Liechti bereits im Interview mit dem Legacy IT Center gesprochen. „Junge Leute haben kein Problem mit COBOL oder Mainframe, ganz im Gegenteil“, sagte er damals. Im IT-Way-Up-Programm konzentriere sich UBS gezielt auf COBOL und IBM Mainframe und ermögliche den Teilnehmern einen in der Schweiz anerkannten Fachabschluss.

Junge Developer brauchen zeitgemäße Entwicklungsbedingungen

Gegenüber IT-Markt warnt Liechti aktuell davor, junge COBOL-Entwickler nach der Ausbildung wieder zu verlieren, wenn Unternehmen ihnen keine zeitgemäßen Entwicklungsbedingungen bieten. Dazu zählt er Git, moderne Editoren und DevOps-Prozesse. Bereits im Gespräch mit dem Legacy IT Center hatte er erläutert, UBS wolle das „Beste aus beiden Welten“ verbinden: COBOL und Mainframe als stabiles Rückgrat geschäftskritischer Systeme sowie moderne Softwareentwicklung mit DevOps, Git und zeitgemäßen Entwicklungswerkzeugen.

Der aktuelle Bericht aus der Schweiz zeigt damit unterschiedliche Wege für den Umgang mit langjährig gewachsenen COBOL-Systemen. Während Planzer eine Ablösung über viele Jahre vorbereitet und dabei weiterhin auf erfahrene Entwickler angewiesen ist, investiert UBS gezielt in eigenen Nachwuchs und moderne Entwicklungsbedingungen. IBM sieht den demografisch bedingten Bedarf an COBOL-Expertise derweil auch international steigen. (td)