Koreanische Großbank macht KI-Effizienz bei COBOL-Migration zum Vertragsfaktor

Die südkoreanische KB Kookmin Bank setzt bei der Modernisierung ihres Core Bankings auf KI, um COBOL-Code nach Java zu überführen. Während der technische Ansatz kein Novum ist, fällt eine Vertragsregelung auf: Sollte die Automatisierung den benötigten Entwicklungsaufwand tatsächlich reduzieren, könnte nach Medienberichten auch der Projektvertrag angepasst werden.

KI-Assistent für COBOL-to-Java

Das Vorhaben ist Teil der zweiten Phase einer umfangreichen Modernisierung des Core Bankings. Das koreanische IT-Fachmedium BI Korea berichtet unter Berufung auf die von KB Kookmin herausgegebenen Projektunterlagen, dass die Bank ihr bislang auf CICS und COBOL basierendes Core Banking schrittweise in eine Multi-Core-Architektur überführen wolle.

Zu den vorgesehenen Komponenten gehöre ein KI-basierter „COBOL to Java Code Assistant“. Dieser soll Programme analysieren, optimieren und konvertieren sowie das Code Review unterstützen. Dafür seien unter anderem eine eigene KI-Architektur und eine Knowledge Base vorgesehen. KB Kookmin erwarte durch die Maßnahmen eine Steigerung der Entwicklungseffizienz bei der Core-Banking-Transformation um mindestens zehn Prozent.

Dass die Bank das Thema bereits länger vorbereitet, zeigt eine Stellenausschreibung von KB Kookmin aus dem Herbst 2025. Gesucht wurde ein „AI Application Architect“, der eine KI-basierte C2J-Lösung – also COBOL to Java – aufbauen und betreiben sollte. Zu den Anforderungen gehörten neben Kenntnissen von COBOL und Java auch Erfahrungen mit LLM-APIs, RAG, Vector Databases und Multi-Agent-Architekturen.

Wenn KI den Personalaufwand reduziert

Ungewöhnlich ist, dass KB Kookmin mögliche Produktivitätsgewinne durch KI bereits in den kommerziellen Rahmen des Modernisierungsprojekts einbezieht. Nach einem Bericht über die Ausschreibungsbedingungen sehen diese eine mögliche Vertragsänderung vor, wenn die KI-basierte COBOL-to-Java-Konvertierung den erforderlichen Personaleinsatz reduziert. Das Gesamtvolumen der zweiten Modernisierungsphase wird dort mit 270,4 Milliarden Won angegeben.

Damit wird die tatsächliche Leistungsfähigkeit der KI auch für die Projektkalkulation relevant. In der IT-Dienstleistungsbranche wird mittlerweile verstärkt darüber diskutiert, ob klassische Abrechnungsmodelle nach Personentagen oder FTE unverändert funktionieren, wenn KI den Entwicklungsaufwand reduziert.

Dass Verträge bei verändertem Aufwand angepasst werden können, ist grundsätzlich nicht neu. Bemerkenswert ist bei KB Kookmin, dass ein möglicher Produktivitätseffekt der KI bei der COBOL-Migration bereits vorab in den Projektbedingungen berücksichtigt wird.

Mainframe und COBOL bleiben im Spiel

Eine vollständige Ablösung des Mainframes bedeutet das Vorhaben allerdings nicht. BI Korea zufolge soll KB Kookmin nach Abschluss der zweiten Modernisierungsphase zunächst mit mehreren Architekturen parallel arbeiten. Neben neuen Komponenten bleibe dabei auch eine CICS-/COBOL-Umgebung auf dem Mainframe bestehen. (td)


Gebäude der KB Kookmin Bank im Gangnam-Viertel von Seoul, Südkorea