Novum-RGI: KI kann Defizite von Altsystemen nicht überdecken

Der Geschäftsführer des Softwareanbieters für Kernversicherungssysteme, Novum-RGI, ordnet ein, warum KI bei Versicherern an Grenzen stößt, solange gewachsene Kernsysteme und Mainframe-Strukturen bestehen bleiben.

Im Interview mit Versicherungswirtschaft heute beschreibt Kai-Uwe Reiter, dass in der Versicherungsbranche derzeit große Erwartungen mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz verbunden seien. Viele Unternehmen hofften demnach, mithilfe von KI Defizite in Beständen, Prozessen und IT-Systemen ausgleichen zu können. Diese Hoffnung greife jedoch zu kurz. Reiter macht deutlich, dass KI keine strukturellen Schwächen gewachsener IT-Landschaften beheben könne, solange deren Grundlagen unverändert blieben.

Als zentrales Problem benennt er historisch gewachsene Kernsysteme, die häufig auf dem Mainframe betrieben würden. Diese Systeme seien fachlich stabil und leistungsfähig, zugleich aber stark individualisiert und nur begrenzt anpassungsfähig. Gerade diese Komplexität erschwere es, neue Technologien sinnvoll einzubinden oder Daten in der für KI-Anwendungen notwendigen Qualität und Konsistenz bereitzustellen. Ohne eine saubere, standardisierte System- und Datenbasis laufe der Einsatz moderner Technologien ins Leere.

Zuspitzende Formel mit Interpretationsspielraum

Der Novum-RGI-Geschäftsführer unterstreicht seine Einschätzung mit der vereinfachenden Formel „Garbage In, Garbage Out“. Diese Zuspitzung kann Leser an klassische Rip-and-Replace-Denkmuster erinnern. Solche Strategien, bei denen gewachsene Kernsysteme vollständig abgelöst werden sollen, gelten in der Praxis mittlerweile als wenig realistisch.

Folgend spricht sich Reiter für den Einsatz von Standardsoftware aus. Diese könne helfen, Komplexität zu reduzieren, regulatorische Anforderungen systematisch abzubilden und Wartung sowie Weiterentwicklung stärker zu industrialisieren. Eigenentwicklungen hingegen erforderten dauerhaft hohe personelle Ressourcen und spezialisiertes Wissen, das in vielen Häusern zunehmend fehle. Standardlösungen böten zudem eine bessere Grundlage für die Integration neuer Technologien.

Für das Gelingen der Einführung eines neuen Standard-Kernsystems sei jedoch nicht allein die Technologie entscheidend. Reiter betont, dass entsprechende Projekte nicht als reine IT-Vorhaben verstanden werden dürften. Erfolgsfaktoren seien ein klares Commitment des Managements, begleitendes Change Management sowie die Bereitschaft, Prozesse und Arbeitsweisen grundlegend zu hinterfragen. (td)