Mit dem Ende der MT-Koexistenz im November 2025 ist ein wichtiger Meilenstein der ISO-20022-Migration erreicht. Doch der eigentliche Umbau des internationalen Zahlungsverkehrs beginnt erst jetzt. Darauf weist ein aktueller Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) hin. Demnach soll die Nutzung von ISO-20022-Daten im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bis 2027 deutlich stärker harmonisiert werden, um die Ziele der G20-Roadmap für schnellere, günstigere und transparentere internationale Zahlungen zu erreichen.
Der Bericht macht deutlich: Die Einführung des neuen Nachrichtenformats war nur der erste Schritt. Entscheidend ist nun, dass Zahlungsdaten weltweit konsistent strukturiert und über die gesamte Verarbeitungskette hinweg genutzt werden. Nur so lassen sich Medienbrüche reduzieren, Compliance-Prüfungen automatisieren und Fehlerquoten im internationalen Zahlungsverkehr senken.
BIS fordert harmonisierte Datennutzung
Im Zentrum der BIS-Empfehlungen steht ein Katalog von harmonisierten Datenanforderungen für ISO-20022-Nachrichten (vgl. Grafik). Ziel ist es, zentrale Informationen – etwa zu Zahlungsparteien, Referenzen, Gebühren oder Remittance-Daten – weltweit einheitlich zu strukturieren.
Damit soll verhindert werden, dass ISO 20022 zwar technisch eingeführt wird, in der Praxis aber weiterhin unterschiedliche nationale oder infrastrukturelle Varianten entstehen. Aus Sicht der BIS würde eine solche Fragmentierung viele der erwarteten Effizienzgewinne wieder zunichtemachen.

2026 bringt zwei zentrale Meilensteine
Parallel zu diesen strategischen Zielen stehen bereits konkrete Umsetzungsschritte an. Besonders relevant ist der November 2026. Dann treten zwei wichtige Änderungen im internationalen Zahlungsverkehr in Kraft.
Zum einen müssen Banken künftig strukturierte oder hybride Adressdaten in Zahlungsnachrichten verwenden. Reine Freitext-Adressen sollen nicht mehr zulässig sein. Zahlungsverkehrssysteme werden Transaktionen mit vollständig unstrukturierten Adressinformationen künftig zurückweisen.
Zum anderen wird der Umgang mit Zahlungsreklamationen modernisiert. Die bislang häufig verwendeten Freitext-Nachrichten MT199 und MT299 werden schrittweise durch strukturierte ISO-20022-Nachrichten ersetzt. Künftig sollen etwa camt.110 für Investigations-Anfragen und camt.111 für Antworten genutzt werden.
Diese Umstellung soll Transparenz und Automatisierung im sogenannten Exceptions- und Investigations-Prozess erhöhen. Banken müssen die neuen Nachrichten ab November 2026 empfangen können; der Versand wird bis 2027 verpflichtend.
Studie: Viele Banken sind noch nicht im Zeitplan
Ob die Branche diese Fristen problemlos einhalten kann, ist jedoch offen. Laut einer aktuellen Untersuchung von RedCompass Labs liegen 44 Prozent der Banken derzeit hinter dem Zeitplan, um die Anforderungen bis November 2026 umzusetzen.
Die Studie basiert auf einer Befragung von 308 Zahlungsverkehrsexperten aus Banken in Europa und Nordamerika. Besonders die Umstellung auf strukturierte Adressdaten erweist sich als komplex: Im Durchschnitt enthalten noch rund 32 Prozent der Kundenadressdatensätze unstrukturierte Informationen, die zunächst bereinigt werden müssen.
Hinzu kommt, dass viele Kernsysteme bislang nicht vollständig auf strukturierte Adressfelder vorbereitet sind. Gerade in Core-Banking- und Onboarding-Systemen sind entsprechende Datenstrukturen oft nur begrenzt vorhanden.
Legacy IT als kritischer Faktor
Die Ergebnisse passen zu Beobachtungen aus der Branche. So sind sich Marktexperten einig, dass hohe Readiness-Werte im ISO-20022-Umfeld nicht automatisch bedeuten, dass Zahlungsdaten auch vollständig und konsistent genutzt werden. Kritischer Faktor ist hier ganz klar die Legacy IT der Finanzinstitute. Denn mit den neuen Anforderungen verschiebt sich der Fokus von der reinen Formatmigration hin zu Datenqualität, Prozessintegration und End-to-End-Automatisierung.
Branche sucht Orientierung
Vor diesem Hintergrund wächst der Bedarf an belastbaren Erfahrungswerten aus der Praxis. Auch in Deutschland wird derzeit untersucht, wie Banken mit den neuen Anforderungen umgehen. Die Payment-Experten von DPS führen aktuell eine Marktbefragung zur Umsetzung der neuen ISO-20022-Vorgaben im Bereich Exceptions und Investigations durch.
Fest steht: Die Migration auf ISO 20022 ist mit dem Ende der MT-Nachrichten keineswegs abgeschlossen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt, den Standard tatsächlich global zu harmonisieren – oder ob weiterhin unterschiedliche Implementierungen den internationalen Zahlungsverkehr prägen. (td)





