Mainframe-Modernisierung: Ist der Begriff noch zeitgemäß?

Der Begriff „Mainframe-Modernisierung“ greift zu kurz. Diese These vertritt Wayne Lee in einem auf Medium veröffentlichten Beitrag. Auslöser war nach seinen Angaben eine LinkedIn-Umfrage unter Mainframe-Experten, bei der sich unterschiedliche Auffassungen darüber gezeigt hätten, was unter Modernisierung überhaupt zu verstehen sei.

Modernisierung oder Geschäftstransformation?

Während einige Fachleute darunter die Weiterentwicklung der bestehenden Plattform – etwa den Wechsel von einem IBM z16 auf einen IBM z17 – verstünden, werde der Begriff von anderen vor allem mit umfangreichen Migrations- und Rewrite-Projekten verbunden. Mit Verweis auf eine Übersichtsarbeit im Journal of Systems and Software argumentiert Mainframe-Experte Lee, dass die Modernisierung von Legacy-Systemen eine technische, wirtschaftliche und organisatorische Herausforderung sei und insbesondere Migrationen geschäftskritischer Anwendungen erhebliche Risiken mit sich bringen könnten.

Nach Ansicht des Autors verfolgen Unternehmen jedoch in erster Linie keine Modernisierung um ihrer selbst willen, sondern eine Geschäftstransformation. Im Mittelpunkt stünden Ziele wie eine schnellere Produktentwicklung, bessere Integrationsmöglichkeiten, ein einfacherer Datenzugriff, höhere Sicherheit und eine höhere Reaktionsfähigkeit auf Marktanforderungen. Zur Untermauerung verweist Lee auf eine Studie zur Migration von Softwaresystemen hin zu Microservices, die zwischen einer rein technischen Migration und einer umfassenderen organisatorischen Transformation unterscheidet.

Mainframe bleibt Teil moderner IT-Strategien

Aus seiner LinkedIn-Diskussion zitiert der Autor zudem erfahrene Mainframe-Praktiker, die vor allem die Kosten umfangreicher Rewrite-Projekte kritisch bewerten. Entscheidend sei ein tragfähiger Business Case. Ein Wechsel auf eine neue Mainframe-Generation könne im Einzelfall sinnvoller sein als das kostenintensive Neuschreiben bestehender COBOL-, PL/I- oder HLASM-Anwendungen.

Lee betont zugleich, dass Mainframe-Modernisierung aus seiner Sicht weit über die Ablösung von Anwendungen hinausgeht. Er verweist unter anderem auf APIs, Hybrid-Cloud-Integration, DevOps, Künstliche Intelligenz sowie moderne Datenarchitekturen als Bestandteile einer zeitgemäßen Modernisierungsstrategie. Zudem verweist er auf den State of Mainframe Modernization Survey 2025 von Kyndryl, wonach 56 Prozent der befragten Unternehmen ihre Mainframe-Nutzung ausgeweitet hätten, weil die Plattform neue Aufgaben in hybriden IT-Umgebungen übernehme.

Sein Fazit: Im Mittelpunkt der Diskussion sollte weniger der Begriff „Mainframe-Modernisierung“ stehen als die Frage, welchen geschäftlichen Nutzen technologische Veränderungen tatsächlich schaffen. (td)