Im ersten Teil des Interviews ging es um Architektur, Resilienz und die strategische Rolle von z/VM im Rechenzentrum. In Teil 2 richtet sich der Blick auf die Menschen hinter der Plattform: auf Fachkräfte, Nachwuchs und die Frage, wie Know-how im Umfeld kritischer Infrastrukturen gesichert werden kann. IBM-Produktmanager Thomas Immel erläutert, warum Skill-Aufbau kein Randthema ist – und wie niedrig die Hürden für Mitgestaltung tatsächlich sind.
Herr Immel, wie bewerten Sie die aktuelle Situation rund um z/VM-Fachkräfte?
Weltweit sehen wir, dass klassische Präsenztrainings seltener nachgefragt werden und externe Schulungsangebote zurückgehen. Gleichzeitig erreichen viele erfahrene Administratoren das Rentenalter. Das erzeugt Unsicherheit, ist aber kein „Dead End“. Auf Konferenzen begegnen uns jüngere Kolleginnen und Kollegen, die sich gezielt für moderne Themen wie Automatisierung oder Linux-Integration interessieren. Wir erleben eher einen Generationenwechsel als einen Abbruch.
Wie unterstützt IBM den Skill-Aufbau konkret?
Mit der z/VM Education Roadmap haben wir strukturierte Lernpfade, Videos und praxisnahe Materialien geschaffen. Der Zugang ist bewusst niederschwellig. Viele sagen, sie wüssten nicht, wo sie anfangen sollen – genau dafür ist diese Roadmap gedacht.
Mein wichtigster Rat lautet: Geben Sie Nachwuchskräften eine eigene Sandbox. Wer ein kleines System zum Experimentieren hat, lernt deutlich schneller. Praxis ist durch nichts zu ersetzen.
Sie haben im Gespräch mehrfach das z/VM Council erwähnt. Wie muss man sich dieses Gremium konkret vorstellen?
Das z/VM Council ist kein exklusiver Expertenzirkel. Es handelt sich um einen losen Zusammenschluss von z/VM-Anwendern, Product Management und Development. Wir treffen uns regelmäßig – meist etwa eine Stunde im Monat – und besprechen aktuelle Entwicklungen sowie Anforderungen aus der Praxis.
Der Einstieg ist unkompliziert. Nach einer formalen Vertraulichkeitsvereinbarung erhalten Interessierte Zugang. Es gibt keinen langwierigen Auswahlprozess. Der zeitliche Aufwand ist überschaubar, der Einfluss auf die Weiterentwicklung der Plattform jedoch real. Viele Funktionen entstehen aus genau diesem Austausch.
Gerade im deutschsprachigen Raum scheint die Beteiligung zurückhaltend zu sein. Woran liegt das?
Ich glaube, es gibt teilweise eine Hemmschwelle. Manche denken, sie seien nicht „Experte genug“. Das stimmt nicht. Alle haben einmal angefangen. Das Council lebt von praktischen Erfahrungen – gerade aus Banken und Versicherungen, die regulatorische Anforderungen konkret umsetzen müssen. Wer seine Herausforderungen einbringt, gestaltet die Plattform aktiv mit.
Themen wie Zertifikatsmanagement oder Konfigurationsdetails werden außerhalb der Community oft wenig wahrgenommen. Wie sehen Sie das?
Innerhalb der Community sind solche Themen seit Langem präsent. Außerhalb fehlt manchmal die Sichtbarkeit. Gerade im regulierten Umfeld sind jedoch genau diese Details entscheidend. Hier können Austauschformate wie der VM Workshop oder das Council helfen, Wissen zu verbreiten und Erfahrungen zu teilen.
Wie entwickelt sich z/VM perspektivisch weiter?
CMS bleibt bestehen. Gleichzeitig verschiebt sich der strategische Schwerpunkt in Richtung Hypervisor-Funktion. Parallel bauen wir Linux schrittweise als alternative Monitoring- und Konfigurationsumgebung aus. Diese Entwicklung erfolgt organisch – ohne harte Brüche. Ziel ist es, moderne Automatisierungs- und Cloud-Mechanismen einzubinden, ohne die gewachsene Stabilität aufzugeben.
Wenn Sie einen Wunsch äußern dürften – welcher wäre das?
Mehr Sichtbarkeit für die Education-Angebote und mehr Mut zur Beteiligung. Wer sagt, er habe wenig Erfahrung mit z/VM, ist genau richtig. Man ist nicht allein – es gibt Strukturen, die den Einstieg erleichtern. Man muss nur den ersten Schritt gehen.
Vielen Dank für das Gespräch! (td/ug)
Als Basis-Einführung im Rahmen der z/VM Video Education Roadmaps wird die Virtualisierungstechnologie von Grund auf erklärt.
Kurzvita – Thomas Immel
Thomas Immel ist seit über 25 Jahren bei IBM tätig und verfügt über langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Weiterentwicklung von Plattformtechnologien im Z-Umfeld. Seine Laufbahn begann in der Softwareentwicklung, unter anderem für DB2 auf z/OS, IBM Performance Manager sowie den IBM DB2 Analytics Accelerator. Im Laufe der Jahre übernahm er zunehmend fachliche und organisatorische Verantwortung als Team Lead, Iteration Manager und Release Manager. Seit November 2023 ist er Product Manager für IBM z/VM. Zuvor verantwortete er unter anderem das IBM Z and LinuxONE Security and Compliance Center.
Über IBM
Die International Business Machines Corporation (IBM) ist ein globales Technologie- und Beratungsunternehmen mit über 300.000 Mitarbeitenden in mehr als 170 Ländern. Seit über einem Jahrhundert prägt IBM die Entwicklung der Informationstechnologie – von Großrechnern und Datenbanksystemen bis hin zu modernen Hybrid-Cloud-Architekturen und Künstlicher Intelligenz. Heute unterstützt IBM Unternehmen mit Lösungen in den Bereichen Software, Infrastruktur und Consulting dabei, komplexe IT-Landschaften zu modernisieren, sicher zu betreiben und regulatorische Anforderungen zuverlässig zu erfüllen.





