Der Blog Bankstil beschreibt das Kernbankensystem KORDOBA als Fallstudie für den langfristigen Lebenszyklus von Legacy-Kernbankensystemen. Nach Einschätzung von Autor Ralf Keuper verschwinden solche Systeme häufig nicht abrupt, sondern würden über viele Jahre hinweg schrittweise in eine neue Rolle überführt. KORDOBA stehe exemplarisch für dieses Muster.
Der Beitrag zeichnet zunächst die Entwicklung des Systems nach. KORDOBA sei 1982 von Siemens auf den Markt gebracht worden und habe nach Herstellerangaben bis heute eine hohe Verbreitung im deutschen Direktbankenmarkt. Keuper blickt auf die Historie von KORDOBA zurück und schreibt: „Das Siemens-Betriebssystem BS2000 lief aus, und die notwendige Portierung auf eine andere Plattform verlangte einen Eigentümer mit entsprechenden Kapazitäten.“ BS2000 selbst wird heute jedoch von Fujitsu weiterhin gepflegt und regelmäßig mit neuen Versionen aktualisiert. Ein zwischenzeitlich geplanter Wechsel auf eine SAP-Bankenlösung ist laut dem Beitrag am Widerstand der Mehrheit der Banken gescheitert.
Die drei Schichten der Trägheit
Aus dieser Entwicklung leitet der Autor die These ab, dass Kernbankensysteme gleichzeitig von technischen, organisatorischen und regulatorischen Faktoren geprägt würden. „Wer aus dem bloßen Alter eines Systems auf dessen baldiges Ende schließt, unterschätzt regelmäßig die Trägheit gerade der letzten beiden Schichten – Migrationskosten und aufsichtsrechtliche Risiken wiegen oft schwerer als technische Obsoleszenz“, so die Analyse.
Zugleich verweist der Beitrag auf eine veränderte strategische Ausrichtung bei FIS. Während die Marke KORDOBA in der internationalen Konzernkommunikation zunehmend in den Hintergrund getreten sei, positioniere das Unternehmen die cloud-native Modern Banking Platform (MBP) als neue Wachstumsplattform. KORDOBA beziehungsweise K-CORE24 werde hingegen weiterhin als Lösung für Bestandskunden im deutschsprachigen Markt geführt.
Keuper ordnet diese Entwicklung als Verlagerung der strategischen Entwicklungsprioritäten ein. Gleichzeitig verweist er auf das Beispiel der BMW Bank, die 2025 mehr als 300.000 Einlagenkonten auf eine aktualisierte K-CORE24-Umgebung migriert habe (vgl. auch Finanz-Szene, 17.1.2024). Dieses Beispiel spreche aus seiner Sicht gegen eine einfache Verfallserzählung und zeige stattdessen, dass Bestandsplattformen weiterhin aktiv weiterentwickelt und betrieben würden.
Risikominimierung durch „Sidecar“-Ansätze
Als weiteres Indiz nennt der Beitrag den Branchentrend zu schrittweisen Modernisierungsstrategien. Vollständige Kernbanksystemwechsel seien selten und risikoreich, während sich sogenannte Sidecar-Ansätze etablierten, bei denen neue Plattformen parallel zum bestehenden Kernbankensystem eingeführt würden.
Abschließend kommt der Beitrag zu dem Ergebnis, dass KORDOBA weder als auslaufendes Altsystem noch als uneingeschränkte Erfolgsgeschichte verstanden werden könne. Vielmehr zeigt der Fall nach Einschätzung des Autors, wie sich Entwicklungsressourcen und Innovationsschwerpunkte auf neue Plattformen verlagern könnten, während bestehende Kernbankensysteme weiterhin betrieben und modernisiert würden. Ob sich dieses Muster auch auf andere Kernbankensysteme übertragen lasse, müsse anhand weiterer Beispiele untersucht werden – unter anderem anhand der Systeme Agree oder Avaloq. (td)





