Nur 16 Prozent der Banken haben agentische Künstliche Intelligenz (KI) bislang produktiv im Einsatz. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die EY gemeinsam mit dem MIT Technology Review unter 250 Banken durchgeführt hat. Darauf verweist Mitch Siegel, Principal und Partner für Next-Gen Banking & Payments Technology bei EY, im Podcast Banking Reinvented.
Nach Einschätzung Siegels liege die größte Herausforderung für Banken derzeit nicht in den verfügbaren KI-Modellen oder der Rechenleistung. Entscheidend seien vielmehr die bestehende IT-Architektur, Datenstrukturen und Betriebsmodelle. „Es handelt sich um ein Architekturproblem, ein Datenproblem und ein Problem des Betriebsmodells“, sagt Siegel.
Jahrzehntealte Kernsysteme erschweren Veränderungen
Als Beispiel nennt der EY-Partner die Kernbanksysteme vieler Institute. Anwendungen für Kontoführung, Kreditgeschäft oder Zahlungsverkehr seien teilweise seit mehreren Jahrzehnten im Einsatz. Wörtlich sagt Siegel: „Einige dieser Anwendungen sind 40, 50 oder 60 Jahre alt. Das älteste System, dem ich begegnet bin, war 57 Jahre alt. Die Codebasis ist – wenig überraschend – COBOL. Gleichzeitig gibt es heute nicht mehr viele Fachleute, die COBOL beherrschen. Dadurch entsteht ein sehr komplexes Umfeld für Veränderungen.“
Modernisierungsinitiativen würden häufig dann angestoßen, wenn neue Anforderungen an Daten, Systeme oder den Einsatz von KI entstünden. Die gewachsenen IT-Landschaften erschwerten nach seinen Worten jedoch die Umsetzung entsprechender Veränderungen.
Entscheidungen häufig in bereichsübergreifenden Gremien
Darüber hinaus beschreibt Siegel im Podcast organisatorische Herausforderungen bei der Einführung von KI. Strategische Entscheidungen würden in vielen Banken von bereichsübergreifenden Steuerungsgremien getroffen, an denen unter anderem CEO, Vorstände sowie Verantwortliche aus IT, Datenmanagement und den Fachbereichen beteiligt seien.
Die unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten führten nach seiner Einschätzung dazu, dass Prioritäten und Umsetzungsschritte intensiv abgestimmt werden müssten. „Diese Entscheidungen werden in der Regel in Gremien getroffen – und genau deshalb dauert es so lange“, sagt Siegel. (td)





