In einem Beitrag für das IT Finanzmagazin beschreibt Narendra Mistry, Chief Product and Technology Officer bei Finastra, die tiefgreifenden Veränderungen von Core-Architekturen in Banken. Seine zentrale These lautet, dass sich technologische, regulatorische und marktseitige Anforderungen nicht mehr nacheinander, sondern gleichzeitig und mit hoher Geschwindigkeit entwickeln würden. Für Institute entstehe daraus ein permanenter Anpassungsdruck.
Mistry argumentiert, dass das Kernbankensystem im Laufe der Jahre immer mehr fachliche Logik, Produktregeln und Prozesssteuerung aufgenommen habe. Dadurch sei der Core häufig komplexer und weniger flexibel geworden, als es für heutige Innovationsanforderungen sinnvoll sei. Die eigentliche Herausforderung bestehe jedoch nicht in fehlender Innovationsbereitschaft, sondern in der Frage, welche Funktionen zwingend im Core verbleiben müssten und welche besser ausgelagert oder neu aufgebaut würden.
Ein vollständiger Austausch des Kernsystems wird im Beitrag nicht als Allheilmittel dargestellt. Vielmehr wird die Auffassung vertreten, dass Modernisierung dann erfolgreicher verlaufe, wenn sie selektiv und schrittweise erfolge. Banken sollten demnach priorisieren, wo unmittelbarer Kundennutzen entstehe – etwa in digitalen Kanälen oder im Onboarding – und dort neue Komponenten etablieren, während der bestehende Core zunächst weiterhin als stabiles „System of Record“ fungiere.
Als zukunftsfähig beschreibt Mistry einen symbiotischen Ansatz: Moderne, API-basierte und cloudfähige Komponenten übernähmen klar definierte Aufgaben, ohne die Stabilität des Bestandskerns zu gefährden. APIs und Cloud-Technologien seien dabei keine Selbstzwecke, sondern architektonische Enabler für Entkopplung, Skalierbarkeit und Integrationsfähigkeit. (td)





