
Das Foto zeigt einen Moment aus der frühen Geschichte der elektronischen Datenverarbeitung in deutschen Unternehmen. Aufgenommen wurde es 1961 im Bosch-Werk Stuttgart-Feuerbach. Zu sehen ist eine Großrechenanlage von IBM – ein System, das damals einen ganzen Raum füllte und von spezialisierten Technikern betreut wurde.
Dass ein Industrieunternehmen zu dieser Zeit bereits auf solche Systeme setzte, war keineswegs selbstverständlich. Doch Bosch experimentierte schon seit den späten 1950er-Jahren mit elektronischer Datenverarbeitung. Ein erster Rechner wurde 1958 eingesetzt, um im Pumpenwerk in Stuttgart-Feuerbach die Wochenlöhne der Mitarbeiter zu berechnen. Die Anlage konnte Lochkarten lesen, Daten speichern, rechnen und Ergebnisse ausgeben – Fähigkeiten, die zuvor ausschließlich menschlichen Bürokräften vorbehalten waren. Die Geschwindigkeit der Maschine galt als beeindruckend: Laut internen Beschreibungen konnten etwa 30 Nettolohnstreifen pro Minute erstellt werden.
Die positiven Erfahrungen führten dazu, dass Bosch die Nutzung der Computertechnik schnell ausweitete. Die zweite Großrechenanlage, die 1961 installiert wurde – und auf dem Foto zu sehen ist –, übernahm bereits operative Steuerungsaufgaben. Sie verwaltete große Teile des Zentrallagers in Feuerbach und unterstützte damit logistische Prozesse im Unternehmen.
In den folgenden Jahren gewann die elektronische Datenverarbeitung immer stärker an Bedeutung. Einen weiteren technologischen Sprung machte Bosch 1971, als das Unternehmen als erster europäischer Kunde eine IBM-Großrechenanlage der Serie System/370 Modell 165 in Betrieb nahm. Der Rechner verfügte über eine Speicherkapazität von rund einem Megabyte und konnte mehrere Programme gleichzeitig ausführen – damals eine beachtliche Leistungsfähigkeit. Bis zu 15 Programme liefen parallel, oft im Dreischichtbetrieb von Montag bis Samstag.

Ein Techniker präsentiert ein Speichermodul der IBM Großrechenanlage System/370-165. (Quelle: Bosch)
Die Anlage übernahm zahlreiche Aufgaben für mehrere Werke im Raum Stuttgart. Dazu gehörten unter anderem die Auftragsabwicklung, die Steuerung des Zentrallagers, die Lohn- und Gehaltsabrechnung, Lagerbestandsführung oder Vertriebsstatistiken. Gleichzeitig entstand rund um den Mainframe eine eigene Arbeitswelt: Etwa 120 Mitarbeiter waren mit Programmierung, Datenaufbereitung, Wartung, Datenträgerverwaltung oder der Verarbeitung der gedruckten Listen beschäftigt.
Rückblickend wirkt die damalige Technik bescheiden. Die Speicherkapazität eines heutigen Smartphones übertrifft die damaligen Systeme um ein Vielfaches. Doch für Unternehmen wie Bosch markierten diese Großrechner einen entscheidenden Schritt in Richtung digitaler Unternehmenssteuerung. Viele der Prozesse, die heute selbstverständlich automatisiert sind – von der Lagerverwaltung bis zur Lohnabrechnung –, wurden damals erstmals systematisch von Computern unterstützt.
Das Foto aus Stuttgart-Feuerbach dokumentiert damit nicht nur eine technische Installation, sondern den Beginn einer Entwicklung, die Unternehmen nachhaltig verändern sollte: den Einzug der IT in die industrielle Organisation. (td)
Bilder: Robert Bosch GmbH, Bosch Unternehmensarchiv (veröffentlicht auf bosch.com)





