Instant Payments erhöhen den Anpassungsdruck
Am Beispiel von Instant Payments beschreibt Königs, welche Folgen neue Zahlungsverfahren für bestehende Bankinfrastrukturen haben. Die zunehmende Verlagerung auf Echtzeitverarbeitung führe zu einer deutlichen Verschiebung der Infrastruktur-Last. Einige Banken hätten diese Entwicklung früh aufgegriffen, andere hätten größere Schwierigkeiten mit den damit verbundenen technischen Anforderungen.
Für DPS habe das in den vergangenen rund 18 Monaten vor allem bedeutet, Schnittstellen und Systeme zu entwickeln und Kunden bei der Anpassung ihrer bestehenden IT zu unterstützen. Das Unternehmen konzentriere sich dabei insbesondere auf Legacy-Infrastrukturen und beschäftige weiterhin zahlreiche COBOL- bzw. Mainframe-Entwickler. Ihre Aufgabe sei es unter anderem, bestehende Systeme mit neuen Verfahren und Technologien zu verbinden.
Damit beschreibt Königs Modernisierung zunächst nicht als vollständigen Ersatz bestehender Systeme. Neue Verfahren würden vielmehr an die vorhandene IT angebunden, während sich Verarbeitung und Architekturen schrittweise weiterentwickelten.
ISO 20022: Migration heißt noch nicht Transformation
Besonders deutlich wird die Integrationsaufgabe für Königs bei ISO 20022 im Zahlungsverkehr. Die Umstellung auf den Standard sei auf Ebene der Nachrichtenformate weitgehend erfolgt. Von einer umfassenden Nutzung der zusätzlichen Datenmöglichkeiten könne jedoch noch keine Rede sein. „Bislang spielt sich ISO 20022 vor allem auf der technischen Ebene ab“, konstatiert der DPS-CEO im Gespräch mit Jens Seidl von Currency Research. Nur wenige Banken würden intern bereits nativ mit ISO 20022 arbeiten. In bestehenden Legacy-Systemen müssten die Nachrichten deshalb über Adapter und Parser konvertiert werden.
Wie lang sich der Übergang ziehen kann, zeigt auch die jüngste Verschiebung des SWIFT-Releases 2026. Wie wir jüngst berichtet haben, begründete SWIFT die Entscheidung mit einem weltweit ungleichmäßigen Vorbereitungsstand bei der Umstellung auf strukturierte Adressdaten. Obwohl mehr als 98 Prozent der Zahlungsanweisungen im SWIFT-Netz bereits im ISO-20022-Format übertragen werden, waren zuletzt noch knapp 60 Prozent der Debtor- und Creditor-Adressen vollständig unstrukturiert. Die notwendigen Anpassungen reichen von Datenbeständen und Datenmodellen bis in vorgelagerte Anwendungen und Prozesse.
Die Verschiebung liefert damit ein aktuelles Beispiel für die von Königs beschriebene Diskrepanz: Die Formatmigration ist weit fortgeschritten, während die Transformation der dahinterliegenden Daten- und Prozesslandschaften noch nicht abgeschlossen ist. Auch DPS hatte im Zusammenhang mit der Verschiebung auf Auswirkungen auf laufende IT-Projekte hingewiesen.
KI soll bei der Modernisierung helfen
Bei den großen Versprechen rund um KI unterscheidet Königs zwischen Hype und konkretem Potenzial. Augenzwinkernd verweist er darauf, welche Aufmerksamkeit neue KI-Modelle inzwischen erzeugen und wie stark eher marketinggetriebene Ankündigungen selbst die Börsenkurse etablierter Technologieanbieter bewegen können.
Für die Modernisierung von Legacy-Systemen sieht er zugleich konkrete Ansatzpunkte: In dem Thema sei derzeit „Musik drin“, so Königs. DPS untersuche intensiv, wie KI bei der Modernisierung bestehender Anwendungen helfen und alte und neue Systemwelten stärker zusammenführen könne.
Tokenisierung als langfristiges Zielbild
Während ISO 20022 die aktuelle Integrationsarbeit prägt, blickt Königs bei der Tokenisierung weiter voraus. Insbesondere an der Schnittstelle zwischen Payments und Kapitalmarkt sieht er Potenzial für stärker harmonisierte Strukturen. Langfristig sollten tokenisierte Assets aus seiner Sicht eine durchgängigere Abwicklung ermöglichen und heute notwendige Zwischen- und Konvertierungsschritte reduzieren.
Bis dahin rechnet Königs allerdings mit einer langen Übergangsphase. Synchronisierung und Parallelbetrieb seien für die kommenden Jahre entscheidend, weil bestehende Legacy-Systeme nicht kurzfristig verschwinden würden. Als langfristigen „North Star“ beschreibt er eine stärkere Harmonisierung auf Basis tokenisierter Assets. Dafür brauche es allerdings nicht nur technische Veränderungen einzelner Banken, sondern gemeinsame Standards und Zielbilder innerhalb der Finanzindustrie.
Königs’ Aussagen machen vor allem deutlich, wie stark die Modernisierung der Banken-IT weiterhin von der Integration bestehender Systeme geprägt ist. Die Causa ISO 20022 steht dabei beispielhaft für eine Gegenwart, in der neue Standards vielfach noch in gewachsene IT-Landschaften „übersetzt“ werden müssen. KI könnte diese Modernisierung beschleunigen, während Königs in der Tokenisierung ein langfristiges Zielbild für stärker harmonisierte Finanzinfrastrukturen sieht. (td)

Philipp Königs, CEO der DPS Engineering GmbH (Foto: DPS)





