Herr Thomas, Sie engagieren sich seit vielen Jahren bei Fujitsu NEXT und in der BS2000-Community. Wie sind Sie ursprünglich mit der Plattform in Berührung gekommen und was motiviert Sie bis heute, sich in der Anwendervereinigung einzubringen?
Ich bin über geschäftskritische Anwendungen zum ersten Mal mit BS2000 in Kontakt gekommen. Dabei hat mich schnell überzeugt, wie stabil und zuverlässig die Plattform ist und wie langfristig man darauf aufbauen kann. Was mich bis heute besonders an BS2000 begeistert, ist aber vor allem die Community. Anwender, Partner und Fujitsu arbeiten sehr eng und vertrauensvoll zusammen – teilweise fast schon familiär. Fujitsu NEXT bietet dafür eine tolle Plattform, um Erfahrungen auszutauschen, Anforderungen einzubringen und gemeinsam darüber zu sprechen, wohin sich die Technologie entwickeln soll.
JET-Software GmbH feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Welche Rolle spielen Mainframe-Technologien heute im Unternehmen und welche Themen beschäftigen Ihre Kunden derzeit besonders?
40 Jahre JET-Software GmbH zeigen vor allem, dass Kontinuität und Verlässlichkeit in unserer Branche einen hohen Stellenwert haben. Mainframe-Technologien spielen für uns und unsere Kunden nach wie vor eine wichtige Rolle – gerade dort, wo große Datenmengen und viele Transaktionen sicher und zuverlässig verarbeitet werden müssen.
Gleichzeitig hat sich das Umfeld verändert. Der Mainframe wird heute nicht mehr als Insellösung betrachtet. Unsere Kunden wollen wissen, wie sich bestehende Anwendungen mit modernen Plattformen und Rechenzentrumsarchitekturen verbinden lassen. Auch Automatisierung, IT-Sicherheit, Datensouveränität und die langfristige Wartbarkeit sind wichtige Themen. Und natürlich beschäftigt uns die Frage, wie das Wissen der erfahrenen Spezialisten an die nächste Generation weitergegeben werden kann.
Wenn in Deutschland über Mainframes gesprochen wird, denken viele zunächst an IBM z/OS. Welche Rolle spielt BS2000 heute im deutschsprachigen Raum und wo begegnet uns die Plattform im Alltag, ohne dass die Öffentlichkeit davon viel mitbekommt?
BS2000 ist vor allem dort im Einsatz, wo es auf hohe Verfügbarkeit, Sicherheit und Datenintegrität ankommt. Dazu gehören beispielsweise Behörden und öffentliche Verwaltungen, aber auch Unternehmen mit geschäftskritischen Anwendungen, die teilweise schon seit Jahrzehnten im Einsatz sind.
Im Alltag begegnet uns BS2000 deshalb viel häufiger, als man vielleicht denkt – allerdings meist im Hintergrund. Viele Bürgerinnen und Bürger nutzen indirekt Anwendungen, die auf der Plattform laufen, ohne etwas davon zu wissen. Und genau das ist eigentlich ein gutes Zeichen: Am Ende zählt nicht, welche Technologie dahintersteckt, sondern dass die Prozesse zuverlässig und sicher funktionieren.
Im Vorgespräch haben Sie Fujitsu NEXT als eine sehr lebendige Community beschrieben. Was macht die Anwendervereinigung für ihre Mitglieder besonders und welche Rolle spielt sie heute im BS2000-Ökosystem?
Für mich lebt Fujitsu NEXT vor allem vom direkten Austausch. Hier kommen Anwender, Partner und Fujitsu-Experten zusammen und können offen über Erfahrungen, Anforderungen und auch Herausforderungen sprechen.
Besonders wertvoll ist, dass die Community über viele Jahre gewachsen ist und man sich untereinander kennt und vertraut. Dadurch entstehen oft sehr direkte Gespräche und gute Impulse für die Weiterentwicklung von BS2000. Genau dieser Austausch macht Fujitsu NEXT für mich zu einem wichtigen Bestandteil des BS2000-Ökosystems.
Wie entwickelt sich BS2000 aktuell weiter? Welche technischen oder fachlichen Themen beschäftigen die Community derzeit besonders?
BS2000 entwickelt sich kontinuierlich weiter, ohne dabei seine Stärken bei Stabilität und Zuverlässigkeit aus den Augen zu verlieren. Themen wie Automatisierung, IT-Sicherheit und moderne Schnittstellen spielen dabei eine wichtige Rolle. Dazu kommt die Integration in hybride Rechenzentrumslandschaften und natürlich zunehmend auch die Frage, wie KI bei Entwicklung und Betrieb sinnvoll eingesetzt werden kann.
Mit KONSENS zählt auch eines der größten behördlichen Digitalisierungsvorhaben Deutschlands zum Umfeld der Plattform. Welche Bedeutung haben solche Projekte heute für BS2000 und wie präsent ist die Technologie im Public Sector?
Gerade große Digitalisierungsvorhaben im öffentlichen Sektor zeigen, wie wichtig stabile und sichere Plattformen für kritische Prozesse sind. BS2000 ist dort seit vielen Jahren etabliert und kommt bei Anwendungen zum Einsatz, bei denen Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit besonders wichtig sind.
Dabei muss man aus meiner Sicht auch nicht zwischen „legacy“ und „modern“ unterscheiden. Bewährte Kernverfahren können stabil weiterlaufen und gleichzeitig über Schnittstellen mit modernen digitalen Diensten und Plattformen verbunden werden. Genau diese Kombination wird auch künftig eine wichtige Rolle spielen.
Immer wieder wird über den Fachkräftemangel in Sachen Mainframe diskutiert. Wie erleben Sie die Situation rund um beispielsweise COBOL- und Assembler-Know-how – und welche Ansätze verfolgen Fujitsu NEXT und seine Partner beim Wissenstransfer und der Nachwuchsförderung?
Der Generationswechsel ist sicherlich eine Herausforderung. Ich sehe aber keinen Grund, deswegen pessimistisch zu sein. Wichtig ist, dass Wissen gezielt weitergegeben wird und erfahrene Spezialisten eng mit Nachwuchskräften zusammenarbeiten.
Dazu gehören natürlich auch zeitgemäße Ausbildungs- und Trainingsangebote. Meine Erfahrung ist, dass junge IT-Fachkräfte durchaus Interesse an Mainframe-Technologien haben – insbesondere dann, wenn sie sehen, welche anspruchsvollen und geschäftskritischen Aufgaben damit gelöst werden und wenn der Einstieg entsprechend modern gestaltet ist.
Von der Fujitsu-Tochter FSAS Technologies wurde jüngst die KI-Lösung PrivateGPT vorgestellt, die Unternehmenswissen in einer geschützten Umgebung nutzbar machen soll. Welche Potenziale sehen Sie hier für das BS2000-Umfeld?
Im BS2000-Umfeld steckt Wissen aus vielen Jahrzehnten – in Dokumentationen, Betriebsabläufen und vor allem in den Köpfen erfahrener Mitarbeiter. Genau hier kann KI sehr hilfreich sein. Sie kann dabei unterstützen, dieses Wissen schneller auffindbar und für andere Mitarbeiter zugänglich zu machen.
Gerade für den Wissenstransfer sehe ich darin großes Potenzial. Wichtig ist für unsere Kunden allerdings, dass sensible Informationen geschützt bleiben. Themen wie Datenschutz und Datensouveränität spielen deshalb eine zentrale Rolle. Eine KI-Lösung, die in einer geschützten Umgebung betrieben werden kann, ist für viele BS2000-Anwender entsprechend interessant.
Fujitsu hat zuletzt seine strategische Ausrichtung bis 2035 vorgestellt und dabei vor allem KI- und Quantencomputing-Themen hervorgehoben. Das wurde als „Aus“ für den Mainframe interpretiert und sorgte hierzulande für Diskussionen. Wie wird diese Entwicklung in der BS2000-Community wahrgenommen?
In der Community wird das Thema vor allem langfristig und sachlich betrachtet. Natürlich stehen KI und Quantencomputing in der globalen Fujitsu-Strategie stark im Fokus. Gleichzeitig gibt es weiterhin ein klares Bekenntnis zu BS2000 und zur langfristigen Unterstützung der bestehenden Kunden.
Für die Anwender ist letztlich entscheidend, dass ihre Investitionen und ihre geschäftskritischen Anwendungen auch in Zukunft verlässlich unterstützt werden. Die Technologie entwickelt sich weiter – das langfristige Versprechen gegenüber den BS2000-Kunden bleibt dabei bestehen.
Vielen Dank für das Gespräch! (td)
Kurzvita – Amadeus Thomas
Amadeus Thomas ist Geschäftsführer der JET-Software GmbH und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Fujitsu NEXT e.V. Der studierte Betriebswirt engagiert sich seit vielen Jahren in der Fujitsu-Anwendercommunity und insbesondere im BS2000-Umfeld. JET-Software mit Sitz im hessischen Babenhausen wurde 1986 gegründet und entwickelt Softwarelösungen für Datenmanagement, Datenschutz und die Modernisierung bestehender IT-Landschaften. Das Unternehmen ist dabei sowohl im Mainframe-Umfeld als auch auf Linux-, Unix- und Windows-Plattformen aktiv.



Austausch in der Community: In den Expert Communitys von Fujitsu NEXT e.V. kommen Anwender, Partner und Fachleute regelmäßig zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und aktuelle Themen aus dem Fujitsu-Umfeld zu diskutieren. Fotos: Amadeus Thomas/Fujitsu NEXT e.V.





