Die Entscheidung ist Teil eines größeren Umbaus. Weltweit will die Privatkundenbank die Zahl ihrer Kernbankensysteme von derzeit 15 auf zwei cloudbasierte Plattformen reduzieren. Vault Core ist die erste davon. Welche zweite Plattform zum Einsatz kommt, ist noch offen. Nach Informationen der Börsen-Zeitung könnte dafür auch eines der bestehenden Systeme ausgewählt werden.
Thought Machine zufolge ging der Entscheidung eine mehrjährige Evaluierung voraus. Der Anbieter hat mit der Deutschen Bank eine globale Lizenzvereinbarung geschlossen. Die Partnerschaft ist auf zehn Jahre angelegt. Für Transformation und Systemintegration hat die Deutsche Bank GFT Technologies beauftragt.
Tagesgeld macht den Anfang
Die Entwicklungsarbeiten für Vault Core laufen bereits. Bis Ende 2026 sollen Tests einen wichtigen Meilenstein bilden, ab 2027 beginnt die schrittweise Produktmigration. Einen ersten Einblick in die Reihenfolge gab inzwischen Yiping Li, Chief Operating Officer der Privatkundenbank: Tagesgeld soll das erste Produkt sein, das Ende-zu-Ende auf der neuen Plattform umgesetzt wird. Weitere Produkte sollen in mehreren Phasen folgen.
Einen Wechsel zu einem festen Stichtag plant die Deutsche Bank nicht. Bestehende Systeme und Vault Core werden während der Migration parallel betrieben. Die Börsen-Zeitung spricht von einem Zeitraum über mehrere Jahre. Wann die betroffenen Altsysteme vollständig abgeschaltet werden sollen, hat die Bank bislang nicht mitgeteilt.
Vault Core basiert auf einer Microservices-Architektur. Die Computerwoche verweist in ihrem Bericht auf Python-basierte Smart Contracts zur Abbildung von Bankprodukten. Die Deutsche Bank selbst hebt die Trennung der Produktlogik von der zugrunde liegenden Infrastruktur hervor. Produkte sollen sich dadurch nach Darstellung der Bank künftig effizienter entwickeln, anpassen und bereitstellen lassen.
Neuer Umbau nach der Postbank-Integration
Die Deutsche Bank hat erst vor wenigen Jahren eine andere große IT-Migration im deutschen Privatkundengeschäft bewältigt. Im Projekt „Unity“ wurden rund zwölf Millionen Postbank-Kunden auf die IT-Plattform der Deutschen Bank übertragen. Die technische Migration wurde 2023 abgeschlossen.
Danach kam es zu erheblichen Problemen in kundenbezogenen Prozessen, unter anderem bei Pfändungen und anderen Kundenanliegen, blickt das Handelsblatt zurück. Die BaFin setzte einen Sonderbeauftragten ein. Das Zeitung ordnet die Entscheidung für Vault Core daher auch vor dem Hintergrund der schwierigen Postbank-Integration ein.
Das neue Vorhaben ist allerdings anders angelegt. Die Deutsche Bank führt mit Vault Core eine neue Kernbankenplattform ein und plant eine schrittweise Migration bei gleichzeitigem Weiterbetrieb bestehender Systeme. Die Reduzierung von 15 Kernbankensystemen auf zwei Plattformen zeigt zugleich die Größenordnung der geplanten Konsolidierung.
Intesa Sanpaolo als Referenz
Thought Machine hat Vault Core bereits bei mehreren internationalen Großbanken platziert. Zu den Kunden gehören nach Angaben des Unternehmens beziehungsweise der Deutschen Bank unter anderem JPMorgan Chase, Lloyds Banking Group, Standard Chartered und Intesa Sanpaolo.
Intesa Sanpaolo ist aus Legacy-Sicht besonders interessant. Die italienische Großbank entschied sich bereits 2022 für Vault Core. Damals hieß es, dass Intesa die Plattform perspektivisch breiter einsetzen und im Zuge ihrer digitalen Transformation Mainframe-basierte Kernbankentechnologie ersetzen sowie auf Cloud-Infrastruktur wechseln wolle.
Inzwischen ist die Modernisierung in Teilen abgeschlossen. Wie wir im Juli 2026 berichtet haben, meldete Intesa Sanpaolo den Abschluss des ersten großen Migrationsblocks. Mehr als 800 Anwendungen seien auf die Google Cloud übertragen und ebenso viele Anwendungen in den eigenen Rechenzentren außer Betrieb genommen worden. Die Transformation der gesamten Anwendungslandschaft bei der italienischen Großbank läuft weiter.
600 Millionen Euro für IT, Prozesse und KI
Die neue Kernbankenplattform der Deutschen Bank ist derweil Teil eines größeren Investitionsprogramms der Privatkundenbank. Bis Ende 2028 will das Geldhaus rund 600 Millionen Euro in IT, Betriebsabläufe und Künstliche Intelligenz investieren. Das Programm soll nach Angaben des Instituts bis 2028 jährliche Einsparungen auf Run-Rate-Basis von rund 300 Millionen Euro erzielen.
Der Strategiezyklus läuft zwar bis Ende 2028, für die vollständige Vault-Core-Migration nennt die Deutsche Bank jedoch keinen Endtermin. Die Darstellung der Computerwoche, wonach der gesamte Prozess bis Ende 2028 abgeschlossen sein soll, geht damit über die Angaben der Bank hinaus.
Bei der Umsetzung arbeitet die Deutsche Bank mit GFT zusammen. Der IT-Dienstleister ist Transformations- und Systemintegrationspartner für Vault Core und kooperiert nach eigenen Angaben bereits seit mehr als 25 Jahren mit der Bank.
Ab 2027 beginnt die schrittweise Migration auf Vault Core. Wie lange alte und neue Systeme parallel betrieben werden und wann die betroffenen Legacy-Systeme abgeschaltet werden können, lässt die Deutsche Bank bislang offen. (td)





